Nachhaltigkeit im Aufsichtsrat : Mehr Governance wagen

Ein Aktionär fordert mehr Sachverstand im Aufsichtsrat von RWE. Die Deutschland AG mag offiziell der Vergangenheit angehören, in vielen Kontrollgremien regiert aber immer noch das Prinzip der guten Kontakte – nicht das der Expertise.
Der aktivistische Aktionär Enkraft hat gute Gründe, beim Umbau von RWE mehr Schnelligkeit anzumahnen. Wer jetzt zu langsam ist, wird sich um seine Wettbewerbssituation bringen. Und wer im Vergleich zu Wettbewerbern hintendran ist, fällt aus dem Fokus der institutionellen Anleger, die ihrerseits längst Rechenschaft über ihre nachhaltigen Investments geben müssen.
RWE bestreitet gar nicht, dass die Braunkohle in dem Konzern keine Zukunft haben wird. Ein so großes Unternehmen mit vielen Tausend Mitarbeitern ist aber zwangsläufig mehr Interessengruppen verpflichtet als nur den eigenen Anteilseignern. Das Umsteuern braucht seine Zeit. Mit dem neuerlichen Brief, der sich nun an den Aufsichtsrat von RWE richtet, legt Enkraft aber den Finger in eine Wunde, die nicht nur RWE betrifft. Sind die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen dem Wandel, den viele als die größte Herausforderung seit der Industrialisierung beschreiben, wirklich gewachsen?
Die untereinander eng vernetzte Deutschland AG mag offiziell der Vergangenheit angehören, in vielen Kontrollgremien regiert aber immer noch das Prinzip der guten Kontakte, nicht immer das der passenden Expertise. Wer das G für Governance (gute Unternehmensführung) in den Nachhaltigkeitskriterien von ESG wirklich genauso ernst nimmt wie das E für Ökologie (Environment) oder S (Social), der muss sich Fragen nach den Qualifikationen von Aufsichtsräten gefallen lassen – und ehrliche Antworten finden.






