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Aktivistischer Aktionär : Enkraft nimmt sich RWE-Aufsichtsrat vor

Dampf und Rauch steigen aus dem Braunkohlekraftwerk Neurath. Bild: dpa

Der aktivistische Investor fordert beim Umbau des Energiekonzerns mehr Tempo. Jetzt gibt es einen Brief an den Aufsichtsrat - der weist Vorwürfe in seiner Antwort zurück.

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          Die Diskussion um die schnellere Abspaltung der Braunkohleaktivitäten von RWE erreicht nun auch den Aufsichtsrat. Der aktivistische Aktionär Enkraft hat in einem Brief an den Vorsitzenden des Gremiums, Werner Brandt, seinen Unmut über ein zu zögerliches Handeln ausgedrückt. „Die öffentlichen Einlassungen des Vorstands sowie Äußerungen in den bisherigen Gesprächen mit uns lassen leider nicht erkennen, dass der Vorstand das wohl strategische wichtigste Thema für RWE, die Abtrennung und Einstellung der Braunkohleaktivitäten, mit der gebotenen Dringlichkeit und Transparenz verantwortungsvoll vorantreibt“, heißt es in dem Schreiben.

          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Der bloße Verweis auf ambitionierte langfristige Investitionsziele im Bereich der erneuerbaren Energien und den damit einhergehenden eingeleiteten Transformationsprozess reiche nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit von RWE zu erhalten und den nachhaltigen, langfristigen Erfolg von RWE am Kapitalmarkt zu gewährleisten. Enkraft, ein Unternehmen, das von dem Investor Benedikt Kormaier geführt wird, hatte Ende 2021 die Forderung an den RWE-Vorstand gerichtet, die Neuausrichtung schneller anzugehen.

          Darauf in einem F.A.Z.-Interview Ende Januar 2022 angesprochen, hatte RWE-Vorstandschef Markus Krebber gesagt: „Über das Ziel sind wir uns mit Enkraft einig. Natürlich wollen wir für unsere Aktionäre höhere Werte schaffen und den Kurs verbessern. Aber nicht einig sind wir uns über den richtigen Weg dahin.“ Das Anliegen sei es, die Braunkohle im Einvernehmen mit der Politik und unter Abwägung aller Interessen in einem geordneten Verfahren auslaufen zu lassen. „Themen wie die Versorgungssicherheit, Absicherung der Mitarbeiter und Betroffenheit der Regionen kann ein Unternehmen nicht einfach ausblenden.“ Krebber sagte, er könne nur davor warnen, es mit der Brechstange zu versuchen und damit gefährliche Konflikte aufzureißen. Enkraft-Chef Kormaier schreibt nun, dass es „zumindest zweifelhaft“ sei, ob der Aufsichtsrat den Herausforderungen inhaltlich und in der jetzigen Konstellation gewachsen sei.

          Nur bedingt kritische Auseinandersetzung

          Der Tätigkeitsbericht für 2020 lasse darauf schließen, dass sich das Kontrollgremium primär auf die formalen Aspekte seiner Funktion fokussiert habe und dass nur bedingt eine inhaltlich kritische Auseinandersetzung mit der Strategie und deren zeitlicher Umsetzung durch den Vorstand stattfinde. Es verstärke sich der Eindruck, dass sich der Aufsichtsrat nur am Rande mit den großen strategischen Fragen auseinandersetze, vor denen der Konzern stehe. RWE verfüge über eines der international größten Portfolios erneuerbarer Energien und habe angekündigt, in den kommenden acht Jahren 50 Milliarden Euro in diesem Bereich zu investieren. „Gleichwohl gibt es kaum entsprechende Expertise im Aufsichtsrat“, schreibt Kormaier. Dies gelte ebenso für Erfahrungen in Unternehmen, die einem sich stark wandelnden Marktumfeld ausgesetzt seien, oder tiefe Kapitalmarktexpertise.

          Brandt als Aufsichtsratsvorsitzender solle zusammen mit den anderen Mitgliedern des Nominierungsausschusses noch vor der Einladung zur diesjährigen Hauptversammlung in Gesprächen mit den einzelnen Mitgliedern zu einer ehrlichen Einschätzung kommen, ob der Aufsichtsrat als Gremium und die jeweils einzelnen Mitglieder der Aktionärsseite fähig und auch willig seien, den Vorstand bei den anstehenden fundamentalen, strukturellen und strategischen Entscheidungen zu unterstützen. Enkraft hält früheren Angaben zufolge mehr als 500.000 Aktien an RWE. Das ist eine vergleichsweise geringe Zahl im Verhältnis zu den mehr als 672 Millionen ausstehenden Aktien des Energieriesen. 500.000 ist aber eine wichtige Schwelle, weil ein Aktionär dadurch – kraft des deutschen Aktiengesetzes – Einfluss auf die Tagesordnung der Hauptversammlung nehmen kann.

          RWE antwortet

          In einem Antwortschreiben, das der F.A.Z. inzwischen vorliegt, weist Werner Brandt, der RWE-Aufsichtsratsvorsitzende, die Einschätzungen zurück. Die Unternehmensstrategie liege im unmittelbaren Fokus der Aufsichtsratstätigkeit und liege nicht nur auf formalen Aspekten. Das Gremium habe angesichts der Neuausrichtung des Unternehmens bereits 2019 sein Anforderungsprofil strategisch weiterentwickelt. Gegenüber dem früheren Profil seien Kompetenzen ergänzt worden, denen eine zunehmende Bedeutung beigemessen werde. „Auch im Vergleich zu anderen Dax-Konzernen ist der Aufsichtsrat der RWE AG hervorragend aufgestellt“, schreibt Brandt. Der gesamte Aufsichtsrat stehe geschlossen hinter der Strategie und dem Vorgehen des Vorstands.      

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