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Oslo vs. Yale : Wer ist der bessere Vermögensverwalter?

Der Stiftungsfonds der Yale-Universität verdiente sein Geld auch mit Hedge-Fonds Bild: AP

Der Stiftungsfonds der Yale University baut auf wenig liquide Nischenmärkte. Der riesige staatliche norwegische Pensionsfonds bevorzugt die Börse.

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          Das Fondsvolumen: 560 Milliarden Dollar. Zahl der im Fonds befindlichen Aktien: rund 8400. Zahl der im Fonds befindlichen Anleihen: rund 8000. Der staatliche norwegische Pensionsfonds (GPFG), der seine Einnahmen aus dem Ölreichtum des skandinavischen Landes bezieht, gehört zu den größten Vermögensverwaltern in der Welt, und nach dem Willen der Regierung in Oslo soll er sein Volumen noch einmal verdoppeln.

          Der Fonds orientiert seine Anlagestrategie an einem Modell, das in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei vielen amerikanischen institutionellen Anlegern verbreitet war und als "60-zu-40"-Modell bekannt geworden ist: Rund 60 Prozent des Fondsvolumens sind in Aktien und knapp 40 Prozent in Anleihen investiert. Gekauft werden vor allem Papiere, für die ein liquider Handel besteht. Der Fonds versucht somit nicht, Extrarenditen durch Pioniergewinne in wenig liquiden Nischenmärkten zu suchen.

          Traditionelle Wege

          Das möglichst optimale Verhältnis von Rendite und Risiko entsteht durch Diversifizierung in etablierten Märkten. Wegen seiner außerordentlichen Größe und der daraus entstehenden Verhandlungsmacht zahlt der Fonds nur Gebühren in Höhe von 8 bis 14 Basispunkten an von ihm delegierte Vermögensverwalter. Das ist ein im internationalen Vergleich sehr niedriger Wert.

          Das "norwegische Modell" gewinnt unter seinesgleichen an Interesse und Beliebtheit, wie die Autoren David Chambers, Elroy Dimson und Antti Ilmanen in einem Arbeitspapier mit dem Titel "The Norway Model" schildern. So rangiert der Fonds in einer Befragung unter 53 Staatsfonds aus 37 Ländern auf Platz eins. Das ist bemerkenswert, weil die Anlagestrategie des norwegischen Pensionsfonds nahezu das genaue Gegenteil der Strategie des Stiftungsfonds der Universität Yale darstellt, der seit gut einem Jahrzehnt unter vielen Vermögensverwaltern das Maß der Dinge darstellt.

          Jenseits der ausgetreten Pfade

          Der Leiter des Yale-Stiftungsfonds, David Swensen, hält, von Aktien abgesehen, nicht viel von liquiden Kapitalanlagen, die an gut organisierten Märkten gehandelt werden. Sein Portfolio besteht nahezu ausschließlich aus Beteiligungskapital (Private Equity), Anteilen an Hedgefonds, Immobilien, Rohstoffen und Aktien. Anleihen machen gerade 4 Prozent des Vermögens des Stiftungsfonds aus, das derzeit knapp 20 Milliarden Dollar beträgt (siehe Infografik). Swensen sucht mit seinen Vermögensverwaltern die Renditen in wenig liquiden Märkten, weil er dort am ehesten Chancen sieht, überdurchschnittlich gut abzuschneiden.

          Die Ergebnisse dieser Strategie waren lange Zeit außerordentlich und lockten daher viele Nachahmer an. In den vergangenen 20 Jahren erzielte der Stiftungsfonds eine durchschnittliche Rendite von 14,2 Prozent. Lediglich in der Finanzkrise lag auch Swensen schief: Das Geschäftsjahr 2008/2009 (30. Juni) endete mit einer Einbuße von 25 Prozent. Das vor der Krise erreichte Vermögen von 23 Milliarden Euro hat der Fonds noch nicht wieder erreicht.

          Gerade diese Krisenerfahrung hat Zweifel am sogenannten "Stiftungsmodell" Swensens aufkommen lassen und das Interesse am "norwegischen Modell" geweckt. Denn ein hoher Bestand an illiquiden Anlagen lässt einen Vermögensverwalter in einer schweren Krise schlecht aussehen, weil er seine Anlagen entweder gar nicht oder nur zu sehr hohen Abschlägen verkaufen kann. Die jüngste Krise ließ vor allem das erhebliche Risiko deutlich werden, das ein am Stiftungsmodell ausgerichteter Fonds fährt. Viele Verwalter bedeutender Vermögen, gerade auch in Deutschland, dürfen oder wollen solche Risiken überhaupt nicht eingehen.

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