https://www.faz.net/-gv6-9coyb

Peking blockiert : Qualcomm wird Opfer des Handelskriegs

Qualcomm macht der Handelskrieg zu schaffen. Bild: Reuters

Der amerikanische Halbleiterhersteller wollte für 44 Milliarden Dollar einen niederländischen Konkurrenten übernehmen. Weil der Geschäfte in China macht, musste Peking dem Deal zustimmen – was es nicht getan hat.

          Bis zum Schluss hatte der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin und Wirtschaftsminister Wilbur Ross die chinesische Regierung davon zu überzeugen versucht, den geplanten Zusammenschluss in der Halbleiterindustrie vom Handelskrieg zu trennen. Vergeblich: am Mittwoch hat der Halbleiterhersteller Qualcomm aus Kalifornien sein Bemühen aufgegeben, für 44 Milliarden Dollar den niederländischen Halbleiterhersteller NXP Semiconductors aus Eindhoven zu übernehmen – weil Peking seine Zustimmung zu dem Geschäft nicht gegeben hat.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          NXP, das aus der Halbleitersparte des niederländischen Philips-Konzerns entstanden ist und im vergangenen Jahr einen Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar erzielt hat, macht Geschäfte in neun Ländern, deren Regierungen der Übernahme zustimmen mussten. Acht Länder, unter ihnen die Vereinigten Staaten, haben diese Zustimmung erteilt – bis auf China. Nun ist am Mittwoch eine Frist abgelaufen, die sich Qualcomm für die Übernahme von NXP gesetzt hatte. Weil aus Peking keinerlei Signal gekommen ist, dass man den Deal doch noch absegnen könnte, hat Qualcomm das Geschäft nun abgesagt.

          Qualcomm-Vorstandschef Steve Mollenkopf nannte die Entscheidung „schwierig“. Weil er jedoch nicht glaube, dass es im „gegenwärtigen geopolitischen Umfeld eine Veränderung“ gebe, habe er keine Wahl gehabt.

          Nun blockiert Peking

          Damit meinte der Amerikaner den Handelskrieg zwischen Washington und Peking, in dem es mittlerweile nicht mehr nur um Sojabohnen geht, sondern um die technologische Vorherrschaft in der Welt. Vor vier Monaten hat der amerikanische Präsident Donald Trump verhindert, dass der Halbleiterhersteller Broadcom, der zu diesem Zeitpunkt noch seinen Sitz in Singapur hatte, den Konkurrenten Qualcomm übernimmt – und begründete dies mit der Sorge um die „nationale Sicherheit“.

          Die Sorge der amerikanischen Regierung begründete sich im Umstand, dass beide Technologiekonzerne an der Entwicklung des künftigen superschnellen Netzwerkstandards 5G arbeiten, der aller Voraussicht nach auch die autonom fahrenden Roboterautos der Zukunft mit Daten versorgen wird.

          Übernehme der eine Konzern den anderen, könnte im Anschluss möglicherweise Geld in der Forschung eingespart werden. Schließlich wollte Broadcom die Übernahme mit Krediten von über 100 Milliarden Dollar finanzieren, die anschließend wieder hereingeholt werden müssten. Amerika, so die Erwartung in Washington, könnte dadurch im Wettrennen um das 5G-Netz in der technologischen Entwicklung gegenüber China zurückfallen.

          Nun blockiert Peking die Übernahmepläne von Qualcomm. Beobachter haben keinen Zweifel daran, dass Chinas Regierung ihre Zustimmung zu dem Deal als Faustpfand in den Verhandlungen im Handelskonflikt mit Trump ansieht. Dass Amerikas Präsident gedroht hat, sämtliche chinesischen Importe mit Strafzöllen in Höhe von 10 bis 25 Prozent zu belegen, hat in Peking Panik ausgelöst.

          Präsident Xi Jinping unter Druck

          Präsident Xi Jinping steht unter erheblichem Druck seiner eigenen Partei, die befürchtet, die ohnehin bereits nicht mehr rund laufenden chinesische Konjunktur könne durch die Strafzölle abgewürgt werden. Dass Peking die Zustimmung zur Qualcomm-Übernahme verweigert habe, sei ein „starkes Signal, dass China jedes verfügbare Druckmittel“ in den Verhandlungen einsetze, sagte der aus Indien stammende Ökonom und ausgewiesene China-Fachmann Eswar Prasad dem „Wall Street Journal“.

          Allerdings verfügt Trump gegenüber China ebenfalls über ein gewaltiges Druckmittel: über die Erlaubnis, dass der chinesische Technologiekonzern ZTE aus Shenzhen weiterhin in Amerika Computerchips kaufen darf. Diese Erlaubnis hatte die amerikanische Regierung im Frühjahr dem Konzern entzogen, nachdem dieser sich nicht an Auflagen im Zuge des Handelsembargos gegen den Iran gehalten hatte. Weil ZTE ohne die Chips aus den Vereinigten Staaten aber keine Telefone und Netzwerktechnik bauen kann, stellte das Unternehmen daraufhin seinen Betrieb in Teilen ein. Der Aktienkurs von ZTE verlor an der Börse fast die Hälfte seines Werts.

          ZTE CORP. H YC 1

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Eine Insolvenz von ZTE, das fast 80.000 Menschen beschäftigt, wäre für Chinas Präsident Xi eine gewaltige politische Niederlage, deren Erschütterung bis nach Peking zu spüren wäre. Nachdem Xi am Telefon Trump bat, den Bann gegen ZTE wieder aufzuheben, tat ihm der amerikanische Präsident den Gefallen – gegen großen Widerstand in Senat und Abgeordnetenhaus und der eigenen republikanischen Partei.

          Die Frage ist nun, ob Trump seinen Joker im Kampf um das Qualcomm-Geschäft erneut einsetzt – und was noch alles im Handelskrieg auf den Verhandlungstisch kommt.

          Weitere Themen

          „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          FAZ Plus Artikel: Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.

          Topmeldungen

          Die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Start der siebzehnten Vogtland-Veteranenrallye.

          AKK und Maaßen in Sachsen : Er war schon vor ihr da

          Annegret Kramp-Karrenbauer macht im sächsischen Vogtland Wahlkampf. Auch Hans-Georg Maaßen war dort schon für die CDU unterwegs – und sorgte dafür, dass für den Bundestagsabgeordneten Heinz eine Welt zusammenbrach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.