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Notenbank erhöht Leitzins : Fed schickt die Wall Street auf Talfahrt

Der amerikanische Notenbankchef Jerome Powell Bild: AFP

Die amerikanische Notenbank Fed erhöht den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr. Im Weißen Haus dürfte der Schritt auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Aktienkurse und die Rendite für Staatsanleihen fallen.

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          Es war ein schöner Tag an der Wall Street, bis sich der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, anschickte, die vierte Erhöhung des Leitzinses in diesem Jahr zu erklären. Daraufhin fiel der Dow Jones, der im frühen Mittwochshandel einen Stand von 24.057 Punkten erreicht hatte, um in der Spitze nahezu 900 Punkte. Gegen Ende des Handels erholten sich die Kurse zwar ein wenig, aber im Vergleich zum Dienstag ergab sich für die meisten Kurse ein deutliches Minus. So schloss der Dow Jones mit einem Minus von 1,49 Prozent bei 23.323 Punkten, der S&P-500 schloss mit 2506 Punkten und einem Verlust von 1,54 Prozent.

          Die führenden amerikanischen Aktienindizes stürzten auf ihre niedrigsten Stände seit dem Herbst 2017 und durchbrachen aus der Sicht der charttechnischen Analyse wichtige Unterstützungsmarken. In Deutschland gab der Dax im außerbörslichen Abendhandel gegenüber dem offiziellen Handelsschluss von 10.766 Punkten um mehr als 100 Punkte nach. Schutz suchten die Anleger am Anleihemarkt, wo die Rendite für die zehnjährigen Staatsanleihen mit 2,76 Prozent auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr fiel.

          Vorausgegangen war eine weithin erwartete Leitzinserhöhung der Fed um 0,25 Prozentpunkte auf einen Korridor von 2,25 bis 2,50 Prozent und eine Pressekonferenz, in der Powell unmissverständlich deutlich machte, dass sich die Fed ihre Geldpolitik nicht vom Präsidenten aus dem Weißen Haus vorschreiben lässt. Trump hatte vor der Sitzung der Fed in mehreren Botschaften über den Kurznachrichtendienst Twitter unmissverständlich mitgeteilt, er wünsche keine Leitzinserhöhung. Alleine der Gedanke an einen solchen Schritt wäre ein Beleg für Verrücktheit. Trump, der in der Vergangenheit in der Hausse behauptete, die Güte seiner Politik lasse sich am Aktienmarkt ablesen, vertritt seit dem Fall der Aktienkurse die Meinung, für die Baisse sei alleine die Fed verantwortlich.

          „Wir sind politisch unabhängig und haben unser Mandat vom Kongress, dem wir uns ohne Einschränkung verpflichtet fühlen“, sagte Powell. Gleichzeitig ließ der Vorsitzende der Fed erkennen, dass er anders als Trump der Reaktion des Aktienmarkts keine übergroße Bedeutung beimisst: „Wir schauen nicht auf einzelne Märkte, sondern auf die allgemeinen finanziellen Bedingungen, die aus unserer Geldpolitik folgen.“ Die Fed entscheide alleine auf Grund der ihr vorliegenden Wirtschaftsdaten. Powell versicherte zudem, er glaube nicht, dass die Kritik Trumps an der Geldpolitik deren Akzeptanz gefährde. „Wir reden mit vielen Menschen, nicht nur mit Geschäftsleuten, und wissen, was in unserem Land geschieht“, sagte der Vorsitzende.

          Fed befürchtet 2019 langsameres Wachstum

          Daraufhin kippten die Kurse an der Wall Street, die zuvor noch weitgehend teilnahmslos auf die Ankündigung der weithin erwarteten Leitzinserhöhung reagiert hatten. Die Leitzinserhöhung wurde vom Führungsgremium der Fed einstimmig beschlossen – auch dies ein Hinweis, dass die Notenbank nicht bereit ist, sich vom Mann im Weißen Haus einschüchtern zu lassen. In ihrer Begründung verwies die Fed vor allem auf die sehr gute Lage am Arbeitsmarkt bei einer unter Kontrolle erscheinenden Inflationsrate. Die Fed hat ein doppeltes Mandat: Neben der Sicherung der Stabilität des Preisniveaus gehört dazu auch eine hohe Beschäftigung.

          Allerdings hatte Powell erkennen lassen, dass die Fed die nicht nur von Trump, sondern auch von vielen Teilnehmern an den Finanzmärkten gehegten Bedenken gegenüber der Nachhaltigkeit des Konjunkturaufschwungs nachvollziehen kann. So plant die Fed aus heutiger Sicht für das Jahr 2019 nur noch zwei Leitzinserhöhungen, während sie im Herbst noch drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt hatte.
          Powell lobte einerseits den guten Zustand der amerikanischen Wirtschaft, aber auch die Fed erwartet im kommenden Jahr eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Während viele Forscher für 2018 ein Wirtschaftswachstum von rund 3,3 Prozent vorhersagen, erwartet die Fed für das kommende Jahr einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung von 2,3 Prozent: „Wir sehen heute Entwicklungen, die eine leichte Verdüsterung des wirtschaftlichen Ausblicks vermuten lassen.“ Grundsätzlich ändere sich aber nichts an der positiven Wahrnehmung der Wirtschaft durch die Fed.

          An den Finanzmärkten wurde allerdings auch bemerkt, dass die, wenn auch nun mit Einschränkungen versehene, konjunkturpolitische Zuversicht der Notenbank in einem auffallenden Gegensatz zur Einschätzung der Wirtschaftslage durch das amerikanische Logistikunternehmen Fedex steht, das am Mittwoch eine von Börsianern mit Ernüchterung aufgenommene Prognose seines Geschäfts gegeben hatte. Der Aktienkurs von Fedex war daraufhin an der Wall Street unter Abgabedruck geraten. Kurz vor Handelsschluss notierte der Kurs mit 11 Prozent im Minus.

          Die konjunkturpolitischen Zweifel in der Finanzbranche lassen sich auch am Anleihemarkt beobachten. Noch im Herbst hatte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen 3,25 Prozent erreicht. In der New Yorker Finanzszene waren damals Prognosen eines Anstiegs der Rendite auf mindestens 4 Prozent und vielleicht sogar 5 Prozent zu hören. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr; statt dessen sinken die Renditen.

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