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Gerry-Weber-Aktien : Hohe Strafen für Insiderhandel

  • Aktualisiert am

Gerry Weber ist wieder da Bild: dpa

Als der Modekonzern Gerry Weber in die Insolvenz ging, waren die Kursbewegungen sehr auffällig. Nun wurden Geldbußen wegen Insiderhandels verhängt.

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          Wegen strafbaren Insiderhandels mit Aktien des Modekonzerns Gerry Weber im Januar 2019 müssen vier Männer aus dem Raum Braunschweig hohe Geldbußen zahlen. Das berichtet das in Bielefeld erscheinende Westfalen-Blatt. Die Männer hatten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Braunschweig von dem seinerzeit bevorstehenden Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gewusst und dieses Wissen genutzt, indem sie auf einen Kurseinbruch spekulierten.

          Laut Staatsanwaltschaft hätten ein 69-jähriger Depotinhaber aus Braunschweig und sein 71-jähriger Bevollmächtigter durch den den frühzeitigen Verkauf von Aktien einen Verlust von 1,2 Millionen Euro vermieden, sagte der Erste Staatsanwalt Christian Wolters laut Westfalen-Blatt. Neben der Abschöpfung dieses Vorteils muss der Depotinhaber rund 800.000 Euro Geldbuße zahlen, der Bevollmächtigte 5000 Euro.

          Sehr auffällige Kursbewegungen

          Auch die anderen Verfahren sollen gegen Zahlung von Geldbußen eingestellt werden. Im anderen Fall hatten laut Darstellung der Staatsanwaltschaft zwei jeweils 28 Jahre alte Männer am 24. und 25. Januar Verkauf-Optionsscheine auf Aktien des Modekonzerns gekauft - und so auf fallende Kurse gewettet. Die Papiere hatten sie kurze Zeit später gewinnbringend verkauft. Einer der beiden soll neben dem Gewinn von 14.000 Euro weitere 16.000 Euro Buße zahlen, der andere den Erlös von 13.000 Euro.

          Die Kursbewegungen rund um den Tag des Insolvenzantrags waren ausgesprochen auffällig gewesen. Schon am Tag vorher war dieser gegen Mittag unvermittelt und ohne sichtbaren Anlass um 13 Prozent auf ein Allzeittief eingebrochen. Die F.A.Z. hatte schon damals die Vermutung geäußert, dass ein strafbarer Tatbestand vorliegen könnte. Das Unternehmen selbst hatte die auffällige Kursbewegung nicht kommentieren wollen.

          Die Finanzaufsicht Bafin ging den auffälligen Kursbewegungen nach und hatte schließlich Strafanzeige erstattet.Im August 2019 gab es  Hausdurchsuchungen, wobei vor allem Datenträger als Beweismittel sichergestellt worden seien, sagte Wolters. Deren Auswertung habe den Verdacht konkretisiert.

          Dass der Haller Damenmodekonzern sich in schweren Turbulenzen befand, war seinerzeit allgemein bekannt. Im Herbst 2018 hatte er ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, im November stundeten Banken Forderungen bis Ende Januar 2019. Doch Verhandlungen um ein Finanzierungskonzept standen vor dem Scheitern - und diese Information sei offenbar zu den vier Männern durchgesickert.

          Zahlen die vier Beschuldigten die mit Zustimmung des Landgerichts verhängten Strafen bis Ende Mai, werden die Strafverfahren endgültig eingestellt und gelten die Männer weiterhin als nicht vorbestraft. Andernfalls drohen ihnen in Prozessen bis zu fünf Jahre Haft. Erste Zahlungen seien aber schon eingegangen. Während der auf die Vermögensvorteile entfallende Teil in die niedersächsische Landeskasse fließt, kommen die Geldbußen gemeinnützigen Einrichtungen zugute.

          GERRY WEBER INTL INH O.N.

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          Gerry Weber ist unterdessen nach dem Abschluss des Insolvenzverfahren zu Jahresbeginn seit Oktober zurück an der Börse, allerdings mit einer neuen Notierung. Die zugelassenen 1,2 Millionen Aktien stammen aus zwei Kapitalerhöhungen im Rahmen der Restrukturierung sowie zu geringem Teil aus Aktien für die mögliche  Umwandlung einer ausstehenden Wandelschuldverschreibung.

          Neue Eigentümer sind die Finanzinvestoren Whitebox, Robus Capital und J.P. Morgan Securities, wobei jeweils 42 Prozent auf Whitebox und Robus entfallen.

          Im dritten Quartal erzielt das Unternehmen seit langem den ersten Gewinn von 2 Millionen Euro. Die Zahlen sind allerdings nur schwer zu vergleichen. Gerry Weber hatte schon in der Insolvenzphase 1000 Arbeitsplätze gestrichen, in diesem Jahr abermals 200. Von knapp 800 selbstbetriebenen Filialen sind noch 593 Geschäfte übrig, auch die Zahl der von Partnern betriebenen Verkaufsflächen hat sich verringert.

          Daher ist auch der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum in den ersten neun Monaten des Jahres von 368 auf 227 Millionen Euro geschrumpft. Die Corona-Pandemie habe den Umsatz dabei mit rund 73 Millionen Euro belastet.

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