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Bonitätsprüfung : „EZB verhindert Marktzugang kleiner Ratingagenturen“

Ohne die Anerkennung der EZB ist die Bonitätsprüfung einer Ratingagentur nicht viel wert. Bild: dpa

Immer wieder erschallt der Ruf nach einer europäischen Ratingagentur. Die deutsche Scope, die erstmals einen Dax-Kunden gewonnen hat, möchte die erste werden. Doch die EZB hat etwas dagegen.

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          Es gibt in Europa den Wunsch nach einer europäischen Ratingagentur, doch dem steht die Europäische Zentralbank (EZB) im Weg. Die größere Meinungsvielfalt in der Bewertung der Kreditwürdigkeit ist für den deutschen Gaskonzern Linde ein Grund gewesen, sich erstmals von der deutschen Ratingagentur Scope einstufen zu lassen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bonitätsnote von „A+“ liegt auf dem Niveau, das Linde auch bei Standard&Poor’s (S&P) und Moody’s hat. Die Scope-Analysten würdigen das stabile Geschäftsmodell, die starke Wettbewerbsposition, die konservative Finanzierungspolitik sowie das Liquiditätsmanagement des Unternehmens.

          Scope-Vorstandsvorsitzender Torsten Hinrichs kündigte am Donnerstag an, dass in Kürze die Ratings für weitere Dax-Unternehmen folgen werden. Bislang finden sich unter den Schuldnern, die ihre Finanzkraft von der in Berlin ansässigen und im Jahr 2002 gegründeten Ratingagentur prüfen lassen, mit der staatlichen Förderbank KfW und der Schweizer Großbank UBS schon zwei prominente Namen.

          „Die Marktmacht ist vielen ein Dorn im Auge“

          Doch Scope, zu deren Anteilseignern BMW-Großaktionär Stefan Quandt oder Manfred Gentz, Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex und ehemaliger Daimler-Finanzvorstand, zählen, will in die Phalanx der drei großen amerikanischen Ratingagenturen einbrechen und die europäische Alternative sein. S&P, Moody’s und Fitch kommen gemeinsam auf einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. sagt Hinrichs: „Die Marktmacht der großen drei ist vielen Emittenten in Europa ein Dorn im Auge.“ Die Ratings sind für europäische Emittenten dann wertvoll, wenn sie von der Europäischen Zentralbank (EZB) anerkannt werden.

          Die Wertpapiere, die Banken als Pfand bei ihr einreichen können, müssen von einer der vier anerkannten Ratingagenturen bewertet sein. Neben den drei großen Agenturen akzeptiert die EZB auch noch die Bewertungen der kanadischen Ratingagentur DBRS. Die Voraussetzung, um als Wertpapier von der EZB angenommen zu werden, ist ein Rating von mindestens „BBB–“ von einer der vier Agenturen.

          EZB muss das Rating anerkennen

          „Ein Rating hat für ein Unternehmen nur einen eingeschränkten Wert, wenn es von der EZB nicht anerkannt wird“, sagt Hinrichs. Denn die Wertpapiere des Unternehmens erhielten in der Folge auch keinen Zugang zu den Kaufprogrammen der EZB. „Das Problem wird durch die jüngste Erweiterung des Kaufprogramms auf Unternehmensanleihen sogar noch vergrößert“, fügt Hinrichs hinzu. Denn seit dem 8. Juni kauft die Notenbank neben Staatsanleihen, Pfandbriefen von Banken und strukturierten Wertpapieren auch Unternehmensanleihen.

          Doch für eine kleine Ratingagentur ist es fast unmöglich, von der EZB anerkannt zu werden. „Die Zulassungskriterien der EZB sind die größte Einstiegsbarriere für eine europäische Ratingagentur“, kritisiert Hinrichs. Die Zentralbank schreibt den Ratingagenturen vor, dass sie alle Staaten der Eurozone bewerten müssen.

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