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Trump-Rede : Keine Impulse für die Börse

Viel los an der Wall Street - Skepsis gibt es nur bei den Technologieaktien Bild: AP

Die mit Spannung erwartete Rede von Donald Trump konnte die Aktienkurse kaum bewegen. Dazu bot sie zu wenig Futter.

          2 Min.

          Sie war mit Spannung erwartet worden, die große Pressekonferenz des gewählten amerikanischen Präsiedenten Donald Trump. Die Finanzmärkte erhofften sich konkrete Hinweise auf die Wirtschaftspolitik. Die Bedeutung der Rede wurde als größer als die von Notenbankpräsidentin Yellen bezeichnet, die am Donnerstag sprechen wird.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch am Ende passierte nicht viel. Anfänglich zogen die Aktienkurse an Wall Street leicht an und der Dow Jones kam bis auf 36 Punkte an die Marke von 20.000 Zählern heran, an der er seit Mitte Dezember abarbeitet. Indes war er ihr schon näher gewesen als an diesem Mittwoch. Kurz nach Redebeginn verflüchtigten sich die Kursgewinne zunächst und der Index rutschte sogar leicht ins Minus.

          Dow Jones

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          Die deutschen Aktien schlossen noch vor Ende der Pressekonferenz etwas fester. Der mit 100 Werten den Markt breit abbildende F.A.Z.-Index gewann 0,5 Prozent auf 2308 Punkte und erreichte ein 13-Monats-Hoch. Der Dax stieg gleichfalls um 0,5 Prozent auf 11.646 Zähler und damit auf ein 16-Monats-Hoch.

          Allerdings war angesichts der Rede und der Entwicklung an Wall Street wahrscheinlich, dass diese Kursgewinne am Donnerstag wieder aufgezehrt würden. Tatsächlich verliert der F.A.Z.-Index am Donnerstag 0,5 Prozent auf 2297 Punkte, ebenso wie der Dax, der bei 11.585 Zählern steht.

          „Infrastrukturmaßnahmen, Deregulierung, Steuerreform und so weiter - nahezu keine der vielen im Wahlkampf geäußerten Ideen zur Stimulierung der Wirtschaft fanden mehr Erwähnung“, sagte BayernLB-Analyst Norbert Wuthe. „Bis gestern haben sich die Finanzmärkte noch in Jubelarien ergossen, 'the day after' könnte der Beginn einer Gezeitenwende sein", kommentierten die Analysten der Metzler Bank. Sie spielten auf die hohen Kursgewinne seit der Wahl Trumps an.

          Letztlich sagte Trump nichts, was die Finanzmärkte verwenden konnten. Seine wirtschaftlichen Aussagen bleiben vage und punktuell - vom erhofften Konjunkturprogramm keine Spur. Stattdessen wetterte Trump in bewährter Manier gegen China und Mexiko und feierte sich selbst als den größten Arbeitsplatzbeschaffer, den Gott je geschaffen habe. Phrasen sind aber für die Börse nichts Wegweisendes und Protektionismus ist eher negativ.

          So stürzten sich die Anleger dann auf Einzelheiten. So gerieten die Kurse der Pharma-Aktien unter Druck, weil Trump überzogene Preise und die Produktion von Medikamenten im Ausland kritisierte. Bristol-Meyers Squibb und Alexion verloren mehr als 5 Prozent, kleinere Werte wie Endo International oder Mallinckrodt gaben sogar 6 bis 8,5 Prozent ab.

          Dass es damit aber nicht so weit her ist, zeigt andererseits dass Merck & Co. knapp 3 Prozent zulegten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde will eine Medikamentenkombination des Pharmakonzerns zur Behandlung von Lungenkrebs rasch prüfen. Mangels andere Impulse setzen sich die alltäglichen Reaktionen durch.

          F.A.Z.-Index

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          Aus Enttäuschung über Trumps Auftritt verkauften viele Anleger den Dollar: Der Greenback verlor zum Yen 1,4 Prozent und notierte erstmals seit dem 8. Dezember wieder unter 114 Yen. Trump habe Ländern wie Mexiko, China und auch Japan mit Grenzsteuern gedroht, sagte BayernLB-Analyst Wolfgang Kiener. „Der Dollar wertete vor diesem Hintergrund per saldo deutlich ab.“

          Zum Yen habe er stärker als zum Euro verloren, da die japanische Währung auch von einer anziehenden Risikoaversion profitiere. Der Euro stieg um fast einen amerikanischen Cent auf 1,0664 Dollar und notierte damit so hoch wie zuletzt am 14. Dezember. Lediglich zum mexikanischen Peso zog der Greenback an und drückte die Währung des Nachbarlandes der Vereinigten Staaten auf ein frisches Rekordtief.

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