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Solar-Aktien : In der Subventionsfalle?

Das Solon-Team könnte bald dezimiert werden Bild: REUTERS

Schlechte Nachrichten für die Photovoltaikbranche gibt es am Dienstag en masse. Evergreen Solar geht in Konkurs, Solon macht sein Werk in Amerika dicht und will angeblich massiv Arbeitsplätze abbauen. Die Lage der Branche scheint zunehmend schwieriger zu werden.

          Für Freunde von Solar-Aktien ist der Dienstag sicher kein guter Tag. Denn die Kurse der Anteilsscheine fallen deutlich. Phoenix Solar verlieren mehr als sechs Prozent, Solarworld und SMA Solar mehr als 5 Prozent.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist ein Konglomerat schlechter Nachrichten, das die Kurse belastet, allen voran der Konkursantrag des amerikanischen Wettbewerbers Evergreen Solar. Der Modulhersteller geriet nach eigener Darstellung in die Klemme zwischen staatlich subventionierten Konkurrenzprodukten aus China, gekürzten Einspeisevergütungen in Europa und dem Ausbleiben einer konsequenten Förderpolitik in den Vereinigten Staaten. 486 Millionen Dollar Schulden hatte Evergreen angehäuft.

          Evergreen-Pleite ist kein gutes Signal

          Nun will das Unternehmen seine Vermögenswerte versteigern, wobei eine Investorengruppe, die 70 Prozent einer Wandelanleihe hält, ein Erstgebot abgeben will. Kommen keine höheren Gebote zustande, läuft dies auf einen Tausch von Schulden gegen Eigenkapital hinaus. Ursprünglich hatte es Evergreen mit einer Umschuldung versucht, war aber damit gescheitert.

          „Das ist kein gutes Signal für hiesige Solarfirmen, die genauso unter dem globalen Kosten- und Preisdruck leiden“, sagte ein Händler. Und tatsächlich hat die deutsche Solar-Branche heute mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen.

          Der Druck auf den Kurs von Phoenix Solar etwa ist einer Studie von HSBC-Analyst Christian Rath zu verdanken, der das Kursziel für die Papiere von 22 auf 15 Euro kürzte. Die Zahlen zum zweiten Quartal seien schwach ausgefallen, die Gewinnentwicklung schlechter abzusehen als zuvor.

          Kahlschlag bei Solon?

          Während sich dies aber noch fast im Rahmen des Üblichen bewegt, zeigt sich die zunehmend schwerer werdende Marktumfeld vor allem bei der Berliner Solon, deren Aktie zwischen März 2006 und September 2009 auch einmal im TecDax notiert gewesen war.

          Wie Evergreen hauptsächlich ein Modulhersteller, steht einer der größten europäischen Produzenten schon seit längerem stark unter Druck und wie bei Evergreen sind es hohe Schulden, die das Unternehmen belasten. Vergangene Woche sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Säuberlich in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“, dass nach einem katastrophalen Halbjahr für die Branche das Restrukturierungsprogramm schneller und aggressiver umgesetzt werden müsse. Im vierten Quartal müsse eine Verlängerung eines Kredits über 275 Millionen Euro erreicht sein, sonst wäre es das Ende für Solon. Von dieser Einigung hängt auch die Verlängerung einer Bürgschaft des Landes Berlin in Höhe von 146 Millionen Euro ab.

          Am Dienstag berichtet nun die „Berliner Morgenpost“ unter Berufung auf ein internes Vorstandspapier, dass das Unternehmen bei einem Umsatzrückgang auf rund 500 Millionen Euro von 620 Millionen im Vorjahr mit einem Verlust von 193 Millionen Euro rechnet. Erst 2015 soll es wieder Gewinne geben und so solle nun etwa ein Drittel der der insgesamt 820 Stellen gestrichen werden. Solon selbst gab bekannt, dass man sich in auf das Projektgeschäft zurückziehen, die Modulproduktion dagegen einstellen werde. Betroffen seien rund 60 Mitarbeiter.

          Rote Zahlen bei Roth & Rau

          Und auch von den Maschinenbauern kommen keine guten Nachrichten. Projektverzögerungen und Abschreibungen haben Roth & Rau im zweiten Quartal einen Betriebsverlust von 24,4 Millionen Euro nach einem Gewinn von 6,1 Millionen vor Jahresfrist beschert. Der Umsatz schrumpfte auf 92,8 von 118,8) Millionen Euro, der Auftragsbestand auf 244,3 von 351,1 Millionen Euro. Eine Jahresprognose wagt Firmenchef Dietmar Roth nicht. Diese könne er wegen erheblicher Unsicherheiten über die weitere Marktentwicklung derzeit noch nicht treffen. Roth hatte bereits im Juli seine Jahresziele wegen der schwachen Nachfrage kassiert.

          Als ob diese Probleme nicht genug seien, so vermeldet der Bauer solarthermischer Kraftwerke, Solar Millennium, dass Finanzvorstand Oliver Bamberger auf eigenen Wunsch ausscheide. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr für viel Wirbel gesorgt, als es im Unfrieden von dem nur 74 Tage amtierenden früheren ENBW-Chef Utz Claassen schied. Und just wegen angeblicher Insiderkäufe im Zusammenhang mit Claassens Berufung hat nun auch die Börsenaufsicht eine Untersuchung formell eingeleitet.

          Konflikt zwischen Wunsch und Realität

          Letztlich scheint die Photovoltaik-Industrie zusehends in eine von Kritikern stets befürchtete Subventionsfalle zu geraten. Das machen nicht nur die Insolvenz von Evergreen Solar und die Probleme von Solon, sondern auch die Krisen bei Conergy und Q-Cells deutlich. Nicht immer liegt es dann allein am Markt. Oftmals vermögen es Manager, die erfolgreich eine Gelegenheit ausgenutzt haben, ihre Erfolge zu stabilisieren. Sie erkennen die geänderten Verhältnisse nicht rechtzeitig, übernehmen sich, überschulden sich.

          Gleich wie sinnvoll eine Förderung erneuerbarer Energien sein mag, es macht sie vom Willen und der Fähigkeit der Politik abhängig, solange sich ein Großteil der Kosten konventionell erzeugter Energie in die Zukunft verschieben lässt. Ob Wahldruck oder nicht - höhere Energiepreise in der Gegenwart haben einen stärker belastenden Effekt auf die Unterstützung eines politischen Systems als dies durch das Vermeiden von Umweltbelastungen generieren kann. Verliert die Politik an Spielraum, wird sie daher immer von der Förderung abrücken. Insofern besteht für alle Unternehmen der Branche immer die Gefahr, dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

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