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Finanzmärkte : Ruhe vor der Griechenland-Wahl

Die Rendite griechischer Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit ist unterdessen auf rund 8 Prozent gesunken. Bild: AFP

Griechenland wählt am Sonntag. An den Finanzmärkten gibt es diesmal keine Grexit-Ängste. Ganz im Gegenteil - es gibt mehrere Anzeichen für eine Beruhigung der Lage.

          Betont gelassen haben sich am Freitag Analysten und Ökonomen über Auswirkungen der bevorstehenden Wahl in Griechenland auf die Finanzmärkte geäußert. Anders als am 25. Januar, als der Sieg der Linkspartei Syriza Anlass zu Spekulationen gab, ob Griechenland möglicherweise den Euro verlassen könnte („Grexit“), wird jetzt nach der Wahl am Sonntag mit praktisch keinen Auswirkungen auf die Märkte gerechnet.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen Thüringen, die zum Jahresbeginn die später einsetzenden Turbulenzen recht genau vorhergesagt hatte, meinte: „Wir messen der Wahl in Griechenland diesmal keine große Bedeutung bei – und haben auch keine Szenarien für mögliche Ergebnisse erstellt.“ Die Transfers nach Griechenland seien zugesagt und jeder Gewinner werde zumindest sagen, dass er versuchen werde, die Auflagen einzuhalten. Ähnlich äußerte sich Andreas Höfert, der Chefvolkswirt der Schweizer UBS.

          Beruhigung der Lage

          Das Risiko der Wahl bestehe darin, dass es im Parlament zu keiner stabilen Mehrheit für eine Regierung komme, meinte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Dann blieben die Reformgesetze liegen und der ESM-Rettungsfonds könnte die Auszahlung der Kredite zurückstellen. Aber selbst das dürfte die Märkte außerhalb Griechenlands nur wenig belasten, meinte Krämer. Schließlich habe die Staatengemeinschaft Griechenland ein neues Hilfspaket gewährt, obwohl sich die Griechen kurz vorher in einer Volksabstimmung gegen die Reformauflagen ausgesprochen hätten und der griechische Finanzminister die Geldgeber sogar als „Terroristen“ beschimpft habe. „Der Langmut der Geldgeber scheint kaum Grenzen zu kennen, das wissen die Finanzmärkte spätestens seit dem Sommer“, meinte Krämer. „Ein unklarer Wahlausgang in Griechenland dürfte die Finanzmärkte deshalb nicht nachhaltig erschüttern.“ Lediglich das Kölner Bankhaus Oppenheim hob im Marktkommentar seines Chefvolkswirts Martin Moryson hervor, der „Grexit“ sei noch längst nicht vom Tisch – und die Schuldenlast Griechenlands sei weiter drückend.

          Die Rendite griechischer Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit ist unterdessen auf rund 8 Prozent und damit einen für Griechenland tiefen Stand gesunken; noch im April hatte sie bei mehr als 13 Prozent gelegen. Auch das gilt als ein Zeichen einer gewissen Beruhigung der Lage durch die Zusage des Hilfsprogramms. Der griechische Aktienindex ASE hat im September etwas zugelegt, wenn auch von sehr niedrigem Niveau nach der vorübergehenden Schließung der Börse aus, auf knapp 690 Punkte.

          Auch der Euro Break Up-Index des Finanzdienstleisters Sentix, für den regelmäßig rund 1000 institutionelle und private Anleger darüber befragt werden, für wie wahrscheinlich sie das Ausscheiden eines Landes aus dem Euro halten, erreichte für Griechenland im August einen Stand so tief wie seit November 2014 nicht mehr. Nur noch 15,9 Prozent der befragten Anleger hielten es demnach für möglich, dass Griechenland in diesem Jahr den Euro verlässt.

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