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Investoren : Buffetts Jünger kritisieren ihr großes Vorbild

  • -Aktualisiert am

Das Orakel von Omaha: Warren Buffett spielt auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway auf. Bild: Imago

Hedgefondsmanager, auch „Baby-Buffett“ Bill Ackman, werfen dem amerikanischen Starinvestor Warren Buffett Heuchelei vor. Dieser hat wenig Respekt für Hedgefonds - doch entsprechen seine Vorwürfe auch seinen Taten?

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          Der amerikanische Hedgefondsmanager Bill Ackman wird an der Wall Street schon mal als „Baby-Buffett“ bezeichnet. Mit einem persönlichen Vermögen von knapp 3 Milliarden Dollar ist Ackman zwar noch weit von Starinvestor Warren Buffett entfernt, der laut Wirtschaftsmagazin „Forbes“ auf mehr als 62 Milliarden Dollar kommt. Aber Ackman, der Gründer der Hedgefondsgesellschaft Pershing Square, ist erklärter Buffett-Fan. Vielleicht reagiert er deswegen besonders sensibel auf Kritik seines großen Vorbildes.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Buffett ist seit Jahren als Kritiker von Hedgefonds und deren Methoden bekannt. Er hält die meisten Hedgefondsmanager für bestenfalls zweitklassige Investoren, die ihre hohen Gebühren nicht wert sind. Buffett wettete vor sieben Jahren 1 Million Dollar darauf, dass Hedgefonds über einen Zeitraum von zehn Jahren schlechter abschneiden werden als ein simpler und günstiger Indexfonds auf den breit gefassten Aktienindex S&P 500. Bisher liegt der Indexfonds deutlich vorne.

          Erst im Oktober stichelte Buffett auf einer Konferenz wieder gegen sogenannte Aktionärsaktivisten wie Ackman, die Anteile an Unternehmen übernehmen und dann in einer über Medien geführten Kampagne auf Veränderungen drängen. „Die sind wie Haie: Sie müssen immer schwimmen“, sagte Buffett, der Leuten wie Ackman zu kurzfristiges Denken vorwirft – Anschuldigungen, die Ackman und seine Konkurrenten weit von sich weisen. Buffetts Geschäftspartner Charlie Munger legte vor zwei Wochen nach, als er die Geschäftsmethoden des umstrittenen kanadischen Pharmakonzerns Valeant als „zutiefst unmoralisch“ bezeichnete.

          Ackman hat eine große Wette auf Valeant abgeschlossen, denen ein einflussreicher Analyst und Fondsmanager kürzlich Betrug unterstellte. Munger findet es verwerflich, dass Valeant kurz nach der Übernahme von Wettbewerbern die Preise der neuen Medikamente im Portfolio drastisch erhöht – auch wenn das den Umsatz steigert. Der Aktienkurs von Valeant ist in diesem Jahr um 50 Prozent gefallen.

          „Er kritisiert Finanzdienstleister, investiert aber in sie“

          Ackman schoss kürzlich zurück. Er kritisierte Berkshire Hathaway, das Konglomerat, das Buffett in den vergangenen 50 Jahren aufgebaut hat, für seine langjährige Beteiligung an Coca-Cola. Der Getränkekonzern habe der Gesellschaft mit seinen zuckerhaltigen Produkten „enormen Schaden“ zugefügt, kritisierte Ackman. Valeant werfe dagegen niemand vor, für Menschen schädliche Produkte zu verbreiten.

          Die Kritik an Buffett, der bisher als moralische Instanz der Wall Street gilt, scheint zuzunehmen. Erst im Mai hatte Daniel Loeb, der wie Ackman für seine scharfe Zunge bekannte Gründer der Hedgefondsgesellschaft Third Point, Buffett auf einer Branchenkonferenz in Las Vegas trotz all seiner „Weisheit“ Heuchelei vorgeworfen. Loeb bezeichnete sich zwar als Fan der Aktionärsbriefe, in denen Buffett regelmäßig Exzesse der Wall Street oder eine für Normalverdiener unfaire Steuerpolitik geißelt. Loeb legte seinen Kollegen aber ans Herz, Buffetts Worte mit seinen Taten zu vergleichen.

          „Er kritisiert Finanzdienstleister, investiert aber in sie. Er glaubt, wir sollten alle mehr Steuern zahlen, aber er selbst vermeidet sie“, sagte Loeb unter starkem Applaus. Als Buffett im vergangenen Jahr für Berkshire Hathaway den Batteriehersteller Duracell vom Konsumgüterhersteller Procter & Gamble kaufte, wurde die Transaktion so strukturiert, dass sowohl Berkshire als auch Procter weniger Steuern zahlen mussten.

          „Hört nicht auf das, was er sagt - macht, was er tut“

          Zu den größten Positionen im Aktienportfolio von Berkshire gehört neben Coca-Cola und dem Technologiekonzern IBM die Bank Wells Fargo und der Kreditkartenkonzern American Express. Berkshire hält dazu Anteile an der Bank of America und der Investmentbank Goldman Sachs. Buffett hat im dritten Quartal die Beteiligung an Goldman und am Einzelhändler Wal-Mart reduziert, um einen Teil der Übernahme des Gießereikonzerns Precision Castparts für 32 Milliarden Dollar zu finanzieren.

          Loeb folgte in diesem Jahr einem anderen Sinnspruch der Wall Street: „Hört nicht auf das, was Buffett sagt. Macht, was er tut.“ Ende der vergangenen Woche gab Loeb eine große, neue Position beim Nahrungsmittelhersteller Kraft Heinz im Wert von rund 580 Millionen Dollar bekannt. Kraft und der Ketchuphersteller H. J. Heinz haben in diesem Jahr fusioniert. Buffett hatte Heinz 2013 zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft 3G übernommen. Während Berkshire Tochtergesellschaften in der Regel an einer langen Leine hält, kürzte 3G bei Heinz aggressiv die Kosten, entließ Tausende Mitarbeiter und wechselte die Führung aus – was unter den Aktionären von Berkshire für Unbehagen sorgte.

          Buffett hat im dritten Quartal die Beteiligung an IBM aufgestockt, obwohl Berkshire angesichts des gefallenen Kurses einen Buchverlust von 2 Milliarden Dollar meldete. Buffett freut sich aber, wenn er Aktien günstig erwerben kann. Schon im zweiten Quartal hatte er IBM-Aktien nachgekauft. Eine Reihe von Hedgefonds hatte es ihm damals nachgemacht.

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