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Filmarchitekt bei der Arbeit: Rolf Zehetbauer 1991 in den Bavaria Filmstudios in München Bild: INTERFOTO

Zum Tod Rolf Zehetbauers : Bei ihm stimmte selbst die letzte Türklinke

Der Filmarchitekt Rolf Zehetbauer erhielt für sein Kulissendesign in „Cabaret“ einen Oscar. Hollywood liebte seine detailverliebte Arbeit – ein Nachruf.

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          Filmkulissen sind einer jener Kunstbestandteile, die für ein Gesamtwerk essenziell sind, allein aber überhaupt nicht funktionieren könnten. Das wusste auch der Filmarchitekt Rolf Zehetbauer. Als er 1973 in Los Angeles den Oscar als bester „Production Designer“ entgegennahm, gelang es ihm in gerade einmal 20 Sekunden Redezeit, sowohl Regisseur Bob Fosse als auch Kameramann Geoffrey Unsworth für die Zusammenarbeit am Musicalfilm „Cabaret“ zu danken. Für den Film hatte er das Berlin der frühen dreißiger Jahre aufleben lassen. In Hollywood schätzte man die Arbeit des gebürtigen Bayern, obwohl er den Ruf amerikanischer Studios immer wieder ausschlug. Er hatte es nicht nötig, sich irgendwo zu bewerben, die internationalen Produktionen kamen zu ihm.

          Maria Wiesner
          Koordinatorin „Stil“.

          1929 in München geboren, begann er mit Anfang dreißig bei Bavaria Film als Ausstattungsassistent zu arbeiten. Ihm war klar, dass seine Kulissen nicht für die Ewigkeit gemacht waren – in einem Gespräch mit dieser Zeitung zu Beginn der neunziger Jahre bezeichnete er seine Werke als „Wegwerfprodukte“. Dennoch setzte er auf Authentizität im kleinsten Detail („Es muss alles stimmen, bis zur letzten Türklinke“). Und je komplizierter der Stoff, desto mehr Spaß bereitete ihm seine Arbeit.

          Glücksdrachen und Geröllriesen

          Dabei war es offenbar einerlei, ob er gegenwärtige Stoffe bearbeiten oder sich tief in die Vergangenheit hineinarbeiten musste, etwa um das Berlin der zwanziger Jahre für Ingmar Bergmans „Das Schlangenei“ (1977) entstehen zu lassen oder um für Rainer Werner Fassbinders Schwarz-Weiß-Drama „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982) die harten Licht- und Schattenspiele des expressionistischen Kinos mit der Einrichtungsästhetik der fünfziger Jahre zu vermählen oder schließlich mehrere U-Boot-Modelle (darunter eines von 67 Metern Länge) für Wolfgang Petersens „Das Boot“ (1981) bauen sollte.

          Nicht minder kreativ ging er vor, wenn die Inspiration weder in der Vergangenheit noch der Gegenwart lag, sondern im Phantastischen. Wenn der Glücksdrache Fuchur in „Die unendliche Geschichte“ durch Phantásien fliegt und Michael Endes „Steinbeißer“-Geröllriesen in graublauer Bergkluft die Augen öffnen, dann hat der „Production Designer“ seine Hand im Spiel gehabt.

          Zehetbauers Auge für Farbwirkung speiste ein hoch entwickeltes Bewusstsein davon, dass gerade der Hintergrund, also nicht nur die Stimmung von Schauspielern und Regie am Drehort, die Gefühlswerte im Kino setzen und beeinflussen konnte. „Vor allem“, wie er im Gespräch unter Verwendung eines vielsagenden eigenen Begriffs erklärte, „wenn es sich um eine Bildoper handelt.“ Am 23. Januar ist Rolf Zehetbauer im Alter von 92 Jahren gestorben.

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