Salzburger Festspiele : Was das Theater von der Krake lernen kann

Hinreißendes Schauspielertheater: Thorsten Lensing gilt als kompromissloser Einzelgänger. Sein dramatisches Debüt „Verrückt nach Trost“ wurde bei den Salzburger Festspielen mit Spannung erwartet. Bei der Dernière gibt sein phantastisches Ensemble noch einmal alles.
Hat man je eine solch herrliche Krake auf der Bühne gesehen? Eine, die wie die verblüffend gelenkige Schauspielerin Ursina Lardi ihre Gliedmaßen so elegant wie rückgratlos immerzu in neue Himmelsrichtungen schraubt, einrollt und wieder ausfährt, sich klein macht und dann wieder groß, dabei ihre intelligente Haut glitzern lässt, dass da zuletzt wirklich so etwas wie ein Krakenbewusstsein greifbar wird? Noch dazu handelt es sich hierbei um das Bewusstsein eines Lebewesens, dessen acht Arme, neun Gehirne und drei Herzen immer aufs Neue so sehr in Widerstreit geraten über die eigene Art, die eigenen Sehnsüchte, Ängste und Todesarten, als handele es sich bei dem inneren Disput am Meeresboden in Wahrheit um ein philosophisches Tiefenseminar ohne Auditorium.


