„Tannhäuser“ in Salzburg : Schützenfest in der Venusgrotte

Musikalisch ein Großereignis, szenisch ein heikler Balanceakt: Wagners „Tannhäuser“ bleibt bei den Salzburger Osterfestspielen allzu oft mager und formelhaft.
Wenn Andris Nelsons und seine Leipziger Gewandhausmusiker Wagners „Tannhäuser“-Ouvertüre mit dem Pilgerchoral eröffnen, ist das keine Präsentation selbstsicherer Glaubensgewissheit, sondern ein zögerndes Herantasten; ein Bild mit offenen Konturen, die nach und nach scharf gestellt werden, aber ihr mögliches Sich-Verlieren immer weiter mit sich tragen. Die fast durchweg geduldigen Tempi – man will hier gar nicht das Wort „langsam“ verwenden – und die dämmerig pastose Farbsättigung, eine gewisse Schwerblütigkeit der Entwicklungen: Alle werden zum Ausdruck grüblerischer Vertiefung in die Partitur.


