Wagners schönste Stellen (12) : „Siegfried“, 1. Aufzug, 1. Szene, Takte 1ff.

Wie kein zweiter konnte sich Richard Wagner kompositorisch in den Schmerz seiner Figuren einfühlen. Woher hatte er diese Gefühlstiefe? Wagner kannte den Schmerz.
Aus der Perspektive des Neurologen bewegt es mich immer wieder, an wie vielen Stellen in Wagners Werk das Thema Schmerz und Leiden sowie die damit verbundenen Bewusstseins- und Erlebnisinhalte spürbar sind und ein direktes Mitfühlen ermöglichen. Und ich stehe stets aufs Neue vor dieser einen Frage: Woher weiß er so viel darüber? Woran liegt es, dass er gerade Kopfschmerzen musikdramatisch so eingehend mitfühlbar macht? Wie kann ein Komponist solche eindringlich miterlebbaren Phänomene durch seine Musik und seine Dichtung affektiv, kognitiv und sogar in ihrer physischen Wirkung spürbar vermitteln, ohne sie womöglich selbst in dem komponierten Detailreichtum wahrgenommen zu haben?





