Lortzing in Gera :
Auch Witzfiguren können träumen

Von
Gerald Felber
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In Thüringen zeigt man, wie es klappen könnte mit der deutschen Spieloper: Kai Wefer als Baculus und Julia Gromball als Gretchen
In Thüringen zeigt man, wie es klappen könnte mit der deutschen Spieloper: Kai Wefer als Baculus und Julia Gromball als GretchenRonny Ristok

Die deutsche Spieloper ist von unseren Bühnen fast verschwunden. Doch am Theater Altenburg Gera gelingt eine ebenso moderne wie einfühlsame Belebung von Albert Lortzings „Wildschütz“.

In einer der köstlichsten Szenen von Albert Lortzings „Wildschütz“ aus dem Jahr 1842 kommt es zu einem obrigkeitlich anbefohlenen Kuss, der beide Beteiligten („In Gottes Namen denn: die Augen zugedrückt“) gleichermaßen durchschüttelt: den Dorfschulmeister Baculus, weil er – fälschlich – glaubt, gleich mit einem verkleideten flotten Studenten Körperflüssigkeiten tauschen zu müssen; sein weibliches Gegenüber aber, die Baronin Freimann, weil sie sich hier nicht nur erotisch, sondern auch sozial touchiert sieht. Was Miriam Zubieta und Kai Wefer in der Geraer Inszenierung der Oper daraus machen, ist ein Kabinettstück sauer-pragmatischer Ergebung ins momentan Unabänderliche – und ansonsten die einzige direkte Berührung jener Protagonisten, zwischen deren Polarität der Regisseur Michael Dissmeier seine Arbeit für den ostthüringischen Theaterverbund (nach Altenburg kommt das Stück im kommenden Frühjahr) ausspannt.

FAZ

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