Hermann Hesse auf der Bühne : Es ist nicht alles Wolf, was keucht

Rudelbildung bringt hier auch nicht mehr viel: Lilja Rupprecht inszeniert Thomas Melles Bearbeitung von Hesses „Steppenwolf“ am Deutschen Theater Berlin.
Im Deutschen Theater Berlin ist der Steppenwolf aus Hermann Hesses 1927 erstmals erschienenem Roman ein armes Schwein. Man hat ihn aus dem Prosatext recht unsanft auf die große Bühne umgesiedelt, was ihm nicht bekommt, und schon gar nicht in der grobschlächtigen Aktualisierung von Thomas Melle. Den Beweis für seine These im Programmheft, dass „Der Steppenwolf“ ein Buch ist, „das wie für unsere Zeit geschrieben zu sein scheint“, bleibt Melle freilich schuldig. Er schickt die Hauptfigur, den unglücklichen Publizisten Harry Haller, erst durch kleinbürgerliche Milieus in einer Provinzstadt, wie es Hesse auch tat. Alsbald lässt er ihn auf Umwegen in irgendwelchen reichlich uninteressanten Ausschweifungen landen, wo er – „Meine Fresse, Hesse“ – benebelt und bedröhnt in wüsten Mordphantasien versackt.


