Fassbinder in Frankfurt : Trümmergefühle im Pudellook

Lilja Rupprecht inszeniert in Frankfurt Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“. Hält der Filmstoff über die Jahre zwischen 1943 und 1954 einer Bühnenadaption stand?
Auch 45 Jahre nach seiner Erstausstrahlung auf der Berlinale 1979 ist „Die Ehe der Maria Braun“ ein faszinierend intensiver Film und eine Geschichtslektion, die nichts verloren hat von ihrer Relevanz. Mit diesem Melodram, dem ersten Teil seiner BRD-Trilogie, gelang Rainer Werner Fassbinder nach längerer Durststrecke ein Wurf. Die kleinbürgerliche Maria mit den großen Gefühlen, an deren Schicksal entlang Fassbinder deutsche Milieugeschichte von den Kriegswirren 1943 bis in die Anfänge des Wirtschaftswunders 1954 erzählt, ist reich an Figuren, überraschenden Wendungen und poetischen Dialogen und trotz der analytisch kalten Beobachtung des sich wieder aufrichtenden Deutschlands zugleich durchzogen von einer Menschlichkeit, die es noch der kleinsten Figur erlaubt, sich zu entfalten.


