Ur-„Tartuffe“ in Paris : Blutsauger gegen Sanguiniker

Wenn die große Sensation zur furchtbaren Frustration wird und der Regisseur sich gegen einen Text stellt, der lange vergessen war: Die Comédie-Française zeigt Molières Ur-„Tartuffe“.
Molières „Tartuffe“ rief in den Jahren nach seiner Erstaufführung Polemiken hervor wie wohl kein Theatertext je zuvor oder danach. Das Stück zeigt bekanntlich den Bürger Orgon, der (in der Reihe der fünf Akte) den Frömmler Tartuffe in seinem Haus aufgenommen hat und diesen zum Verdruss der Restfamilie (Mutter ausgenommen) blind verehrt; ihm die bereits anderweitig versprochene Tochter zur Frau geben will, was bei deren Zofe auf beherzte Abwehr stößt; sogar den eigenen Sohn der Lüge bezichtigt und aus dem Haus verjagt, als dieser einen Liebesantrag Tartuffes an die Stiefmutter publik macht; erst dann die Schuppen auf den Augen verliert, als besagte Elmire ihn ein vorgetäuschtes Stelldichein mit dem Lüstling belauschen lässt; endlich, von Tartuffe um sein Haus gebracht und mit Kerkerhaft bedroht, nur dank eines Königsboten ex machina wieder in seine Rechte eingesetzt wird.





