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Die Kunst der Synchronisation : Kennen Sie den Schwarzwaldtruthahn?

  • -Aktualisiert am

Der eine spielt, der andere spricht: Beim Synchronisieren muss die daraus erwachsende Schnittmenge stimmen. Bild: dpa

Nirgendwo wird so viel synchronisiert wie in Deutschland. Trotzdem können die Synchronisatoren es den Leuten nur schwer recht machen. Wie kommt das nur? Diese Spezialisten leisten hervorragende Arbeit.

          Eine junge französische Theaterkritikerin, die Thomas Ostermeiers Inszenierung von „Die kleinen Füchse“ an der Berliner Schaubühne besuchte, wunderte sich, warum es keine englischen Untertitel (beziehungsweise Übertitel) gab, wie bei internationalen Theaterfestivals üblich. Sie habe kein Wort verstanden. In Zeiten weltumspannender Vernetzung, in denen scheinbar jeder jederzeit mit jedem kommunizieren kann, ist man dann doch ein wenig überrascht, dass es so etwas überhaupt noch gibt: Sprachbarrieren.

          Im Kino spielen sie eigentlich keine Rolle. Wer einen Film in Originalsprache wählt, weiß, worauf er sich einlässt. Beherrscht man die Sprache, wird man behaupten, es gehe auch ohne Übersetzung. In den meisten Kinos der Republik laufen allerdings synchronisierte Fassungen. Und das, obwohl wir Clips aus aller Welt auf Youtube verfolgen, Fernsehserien im Original anschauen und sogar Lukas Podolski in der Lage ist, einen Tweet in passablem Englisch abzufeuern. Immer wieder hört man, Synchronisationen seien misslungen, im besten Falle überflüssig.

          Keinerlei Auswirkung auf den Fremdsprachenerwerb

          Leuchtendes Beispiel: Skandinavien. Hier gibt es ausländische Filme nur mit Untertiteln zu sehen, und niemand stört sich daran. Im Gegenteil, angeblich sprechen die Menschen in Norwegen, Schweden, Finnland oder Dänemark viel besser Englisch als wir, weil sie damit aufgewachsen seien und es „nicht anders kennen“. Dieser Hinweis fehlt in keiner Debatte. Verzichtete man hierzulande auf das Synchronisieren, so heißt es, könnten auch wir unseren vermeintlichen Rückstand aufholen. Mitunter wird sogar behauptet, Sprachen lerne man am besten nebenbei durch das Konsumieren von Filmen und Serien im Original. Eine in mehrfacher Hinsicht abenteuerliche These; man fragt sich eigentlich nur, warum ihr weder Cineasten noch Sprachpädagogen widersprechen. Denn Kino ist Kunst. Und kein Sprachunterricht.

          Wer ein bisschen herumgekommen ist, wird festgestellt haben: Nicht in allen Ländern, in denen Filme in der Originalsprache laufen, sprechen die Menschen in fremden Zungen wie die Jünger Jesu nach Pfingsten. Man muss dafür nicht nach Patagonien reisen, manchmal genügt schon ein Trip auf den Peloponnes. Andererseits äußern sich ausländische Besucher immer wieder bewundernd über die Fremdsprachenkenntnisse junger Deutscher. Und das in einem Land, das seit Jahrzehnten fast jedem Film, der seinen Weg in die Kinos findet, eine eigene Sprachfassung angedeihen lässt. Ich wage mal eine These: Filmsynchronisation, ob sie nun stattfindet oder nicht, hat keinerlei Auswirkung auf den Fremdsprachenerwerb. Andere Faktoren aber sehr wohl: Schüleraustauschprogramme. Work-and-Travel. Kommunikation über soziale Netzwerke. Nicht zuletzt Auslandsaufenthalte während des Studiums. Waren diese vor dreißig Jahren noch etwas Besonderes, gibt es heute Austauschprogramme in fast jedem Studiengang. Junge Leute reisen durch die Welt und bringen Fremdsprachenkenntnisse mit, von denen man früher nur träumen konnte.

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