Gaddafis Tod :
Ein fatales Bild

Von
Jan Ludwig
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Zuletzt nur noch ein Schatten seiner selbst: Muammar al Gaddafi. Seinen bildmächtigen Tod als Erste aufgenommen zu haben war für die Sensationsgierigen „ein großes Glück“
Zuletzt nur noch ein Schatten seiner selbst: Muammar al Gaddafi. Seinen bildmächtigen Tod als Erste aufgenommen zu haben war für die Sensationsgierigen „ein großes Glück“dpa

Die Videos von Gaddafis Tötung werden uns noch eine Weile begleiten. Manche Medien versetzt der tote Gaddafi in einen Taumel. Journalistisch souverän ist das nicht.

Mussolini kopfüber, Hussein am Strang, Ceauşescu zusammengesackt: Wenige Bilder bleiben so haften wie die von toten Tyrannen. Es ist die Macht im Moment der absoluten Ohnmacht, ein mysterium tremendum. Erst recht, wenn die Öffentlichkeit – nach Botho Strauß – „kriecht wie die Wanderratte durch die Leitungsrohre“, bleibt kein Despotentod ohne Bilder.

Seit vorgestern haben wir in unserem Bildgedächtnis eine neue Ikone: den toten Muammar al Gaddafi. Soll man die Bilder des Toten zeigen? Die Devise schien zu sein: Aber ja. Man zeigt, wenn man hat. Dabei gab es durchaus Unterschiede. Die ARD beschränkte sich auf den noch lebenden Gaddafi, zeigte aber online ein Bild, dass ihn wohl tot zeigt. Und ging der Frage nach, ob Gaddafi im Gefecht getötet oder gelyncht wurde. CNN spielte die Bilder aus Sirte derweil rauf und runter. Von dem zunächst vorhandenen Handy-Video konnte der amerikanische Nachrichtensender gar nicht genug bekommen. Der kurze Film lief wieder und wieder, erst im Vorder-, dann im Hintergrund, während die stets wie Models zurechtgemachten Moderatorinnen die Meldungen ordneten. Die BBC warnte, während das Video lief, die Zuschauer immerhin davor, die Bilder könnten verstörend wirken.

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