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Ergebnisse bei Karl&Faber : Die Sonne bringt es an den Tag

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Die Auktionen des ersten Halbjahres bei Karl&Faber haben dem Auktionshaus einen Gesamtumsatz von sieben Millionen Euro gebracht. Ein Blick auf die Ergebnisse des Frühjahrs.

          Eine Überraschung bescherte der Auktion mit Moderner Kunst bei Karl&Faber das Ölbild „L’Automne ou la Tentation“ von Pierre-Paul Girieud, das von 4000 auf 36.000 Euro ausscherte; ein süddeutscher Sammler bewilligte damit den zweithöchsten Auktionspreis für diesen Künstler, dessen Familie das Bild von 1907 marktfrisch eingeliefert hatte. Den Bestpreis der zu rund 53 Prozent verkauften, ausgewählten Werke lieferten Corinths „Tulpen, Flieder und Kalla“, als der Hammer bei 270.000 Euro (250.000/ 350.000) zugunsten eines Privatgebots fiel; „Weinlaub und Dahlien“, von Nolde aquarelliert, schafften verlässlich 100.000 Euro (bis 120.000), und Gabriele Münters „Blumenbild mit weißer Rose“ ging knapp über der Untertaxe bei 85.000 Euro weg. Ihr „Tauwetter im Dorf“ blieb beim Vorbehalt hängen, Liebermann und Klee enttäuschten mit Rückgängen.

          Im zweiten Anlauf fand Jean Metzingers kubistisches Stillleben mit „Miroir et masque“ diesmal einen neuen Platz für 120.000 Euro (80.000/120.000), und ein österreichisches Museum pickte sich Picassos berühmte Radierung „Le Repas frugal“ für 120000 Euro (120.000/ 140.000) aus dem Graphikangebot, wo Vallottons Holzschnitt „L’Argent“ als einziges Exemplar des ersten Zustands mit 23000 Euro (8000/10.000) reüssierte.

          Den Sieger der Saison sollte dann die Kunst nach 1945 und zeitgenössische Kunst bringen: „Questa“, Sigmar Polke in Pakistan aufgenommenes, mit Aquarell übergangenes Foto von Wasserpfeife rauchenden Männern aus dem Jahr 1974, erfocht das Museum für Gegenwartskunst in Siegen für 320.000 Euro (200.000/ 250.000). Da kam Gerhard Richters „Grün-Blau-Rot“ nicht mit: Der Zuschlag für das Unikat aus einer 115 Bilder zählenden Serie der Zeitschrift „Parkett“ von 1993 blieb mit 280.000 Euro (350.000/ 400.000) unter der Erwartung.

          Platz drei der Offerte belegt Albert Oehlens zweiteiliges Großformat „Ohne Titel (Auge)“ mit 140.000 Euro (120.000/150.000). Eine separate Sektion mit österreichischer Kunst bekam ihren Helden in Gestalt von Günter Brus: Von sechs Arbeiten am teuersten wurde die Mischtechnik „An Mendelssohn Bartholdy, dem Menschen dem Künstler“, sie stieg von 18.000 auf 80.000 Euro.

          Druckgraphik und Papier finden Anerkennung

          Karl&Faber gibt für die Frühjahrsauktionen einen Gesamtumsatz von sieben Millionen Euro bekannt, davon entfallen 1,8 Millionen auf die Alte Kunst. Dort hatte sich der Fund eines Kalvarienberg-Gemäldes auf der Empore einer Schlosskapelle im süddeutschen Raum als Werk Marten van Cleves entpuppt: Vermutlich ist es sogar das Original seiner um 1570 entstandenen „Kreuzaufrichtung“, die man bislang nur durch eine Kopie kannte; mit 56.000 Euro gewährte ein amerikanischer Privatbieter die Mitte der Taxe. Der Unterbieter aus Russland nahm zum Trost den „Wettstreit zwischen Apoll und Marsyas“ aus Johann Carl Loths Werkstatt für 20.000 Euro (20.000/25.000).

          Beim 19.Jahrhundert stach Carl Spitzweg hervor: Ein Saalbieter erwarb die Öskizze „Landschaft mit Brücke“ für 42000 Euro (40000/50000), und das Gemälde „Die Sonne bringt es an den Tag“ verdoppelte mit 125000 Euro die Obertaxe; es zeigt eine Frau, die beim Wäscheaufhängen eine vom Laken auf der Leine verborgene Schmuserei als Schattenspiel mitbekommt. Mit 75.000 Euro (60.000/ 80.000) ließ sein süddeutscher Käufer noch vier Mitbewerber um Spitzwegs – vor der Auktion wegen einer Provenienzlücke von 1920 bis 1944 diskutierten, wiewohl rechtlich nicht zu beanstandenden – „Gratulanten“ (F.A.Z. vom 28.April) leer ausgehen; 2004 hatte dieser bei Karl&Faber 50000 Euro gebracht. An Interessenten mangelte es auch Feuerbachs schönem Brustbild einer Römerin nicht, das 13.000 Euro (8000/10.000) einspielte.

          In der Papier-Abteilung entfachte ein Blatt aus einer florentinischen Bibel der Zeit um 1390 Bieterehrgeiz, ein niederländischer Händler ergatterte es für 11.000 Euro (3000/4000) gegen Museumsinteresse. Vor zwei Jahren noch ohne Gebot, brachte eine weibliche Kopfstudie eines Leonardo-Nachfolgers jetzt 16.000 Euro (10.000/12.000) aus Russland ein. Überraschend günstig kam ein amerikanisches Museum mit 23.000 Euro (30.000/40.000) für Philipp Otto Runges Scherenschnitt einer Kornblume auf blauem Grund davon.

          Auch das hochklassige Druckgraphik-Angebot traf auf internationale Anerkennung: so Dürers Kupferstich „Wappen mit dem Totenkopf“, der für 68000 Euro (60.000/80.000) in die Schweiz zog, oder Schondorfers „Stehende Madonna mit dem Apfel“, die ein amerikanischer Sammler für 66000 Euro (40.000/50.000) nahm. An amerikanische Adressen gingen Rembrandts „Selbstbildnis mit dem federgeschmückten Barett“ für 52000 Euro (25.000/ 30.000) und „Jan Cornelis Sylvius (als Prediger im Oval)“ zur dreifachen Schätzung für 45.000 Euro.

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