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Art Basel hat neue Standpreise : Lage erkannt

Die Art Basel kündigt ein neues System der Preisgestaltung für ihre Standmieten an. In Zukunft sollen Galerien mit kleineren Kojen begünstigt werden.

          Die Art Basel kündigt ein neues System der Preisgestaltung für ihre Standmieten an. Damit reagiert die global dominierende, in der Schweiz beheimatete Marktführerin mit ihren drei Kunstmessen in Basel, Miami Beach und Hongkong auf Diskussionen darüber, ob die Teilnahme an den Schauen überhaupt noch erschwinglich oder gar erstrebenswert sein könne für Galerien, die nicht zum Topsegment zählen. Beginnend mit der Art Basel – in Basel – 2019, wird ein sliding-scale pricing model an allen drei Orten eingeführt, ein gleitendes System, das Galerien mit kleineren Kojen begünstigt: in der Regel jüngere Galerien mit entsprechend noch nicht marktnotorischen Künstlern oder mittelständische Galerien. Deren kontinuierliche Arbeit, so lässt sich hinzufügen, von enormer Bedeutung für das gesamte Marktgefüge ist.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Als Grund wird der herrschende finanzielle Druck vor allem auf diese Klientel genannt; gleichzeitig sollen die global players unter den Galerien mit ihren großen Ständen nicht über Gebühr belastet werden. In Basel wird deshalb der Preis pro Koje für die Sektionen „Statements“ und „Feature“ von 12.000 auf 10.000 und von 25.000 auf 20.000 Franken gesenkt. Es lässt sich leicht ermessen, was auch diese Summen noch immer für die kleineren Galerien bedeuten, ohne Zusatzkosten wie Transport oder Versicherung der Kunstwerke. Wohl deshalb heißt es in der Mitteilung der Art Basel, dass damit nicht das prinzipielle finanzielle Probleme einer Teilnahme gelöst, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung gemacht sei. Man freut sich, dass viele der etablierten Galerien zusätzliche Kosten in Kauf nehmen, um die Kollegen zu unterstützen.

          So wird in Basel 2019 ein Stand mit 25 Quadratmetern 760 Franken pro Quadratmeter kosten, ein Stand mit 124 Quadratmetern schon 905 Franken – und je größer, desto kostspieliger. Natürlich handelt es sich dabei nicht um Wohltätigkeit, sondern um Kalkül: Das Ziel ist, die Beziehung zu einer neuen Sammlergeneration aufzubauen und dafür frische Künstler dem begierigen Markt zuzuführen.

          Das gleitende Preissystem ist keine neue Idee

          Übrigens ist das gleitende Preissystem nicht neu: Auf Anfrage erklärt Daniel Hug, der Direktor der wichtigsten deutschen Kunstmesse Art Cologne, dass es dort „schon seit den achtziger Jahren ein gestaffeltes Preissystem gibt, das es jungen, nicht so finanzstarken Galerien ermöglicht, sich an der Art Cologne zu beteiligen“. Das betrifft vor allem den Sektor „Neumarkt“, also die Förderkojen für junge Galerien, deren Standgröße dreißig Quadratmeter beträgt.

          Von 2019 an wird sich die Kölner Traditionsmesse zudem auf nur noch zwei Hallenebenen konzentrieren, der „Neumarkt“ wird in das Hauptfeld der etablierten „Galleries“ integriert. Das bringe, so Hug, „für alle Beteiligten viele Vorteile: mehr Dialog, mehr inhaltliche Spannung, mehr Frequenz an allen Ständen“. Dabei ist die Art Cologne deutlich günstiger als etwa die Londoner Frieze, die Pariser Fiac oder eben die Art Basel. Für die „Galleries“ beträgt die reine Miete pro Quadratmeter 377,40 Euro, für den „Neumarkt“ 230,10 Euro.

          Auch wenn sich die Art Cologne nicht direkt mit dem globalen Messe-Zirkus der Art Basel vergleichen lässt, wird doch klar: Es geht bei beiden darum, eine möglichst ansprechende Durchmischung des Angebots zu erreichen, um der Ödnis einer reinen Hochpreis-Leistungsschau zu entgehen, für die Galerien und ihre Künstler – und nicht zuletzt mit Blick auf ein Publikum, das Kunst kaufen will und das auch können soll. Denn nichts brauchen die Kunstmessen dringender als diese Klientel, für die ständig neue Mitglieder gewonnen werden müssen. Immer schärfer wird der Wettbewerb mit dem weltweiten Auktionsgeschäft, das rapide im Internet zunimmt und das massiv in den Bereich der zeitgenössischen Kunst ausgreift.

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