Nach Aufsichtsratssitzung : Die Documenta-Kunst bleibt unkontrolliert

Steht etwas mehr Kontrolle wirklich der Kunstfreiheit entgegen? Der Documenta-Aufsichtsrat hat sich jedenfalls in seiner entscheidenden Sitzung gegen einen verbindlichen Code of Conduct für die künftige künstlerische Leitung ausgesprochen.
Der Berg kreißte mächtig seit vorigem Jahr und gebar nun: eine öffentliche Konferenz mit Selbstverpflichtung. Im Kern ging es bei der Sitzung des Documenta-Aufsichtsrats Dienstagabend um Kunstfreiheit versus mehr Kontrolle, um antisemitische Positionen auf der 2027 anstehenden Ausgabe der Weltkunstschau zu vereiteln. Der Abschlussbericht der METRUM-Managementberatung hatte Ende 2023 dringend einen Verhaltenskodex („Code of Conduct“) für die künstlerische Leitung wie für die Trägergesellschaft der Documenta, die Museum Fridericianum gGmbH, empfohlen. Ein solcher wird nun aber nur der Trägergesellschaft auferlegt. Die künstlerische Leitung bleibt frei davon, sie soll stattdessen in einer öffentlichen Veranstaltung im Vorfeld der Documenta ihr Konzept vorstellen und darlegen, wie sie die Achtung der Menschenwürde unter Wahrung der grundgesetzlich geschützten Kunstfreiheit auf der von ihr kuratierten Ausstellung gewährleisten will. Dies soll nun ein wirksames Mittel „zum Schutz künstlerischer Freiheit und zum Schutz gegen menschenfeindliche Diskriminierung und Antisemitismus“ sein. Auch der im Aufsichtsrat sitzende hessische Kulturminister Timon Gremmels nannte dieses öffentliche Bekenntnis „das passende Instrument“, um antisemitische Kunstäußerungen zu vermeiden.



