Kolumne Geschmackssache : Der Lohn des Eigensinns

Anton de Bruyn hat sein Restaurant „Emma Metzler“ in Frankfurt zu einem Zwitterwesen aus Museumscafé, Kiezkneipe und Feinschmeckergroßgaststätte gemacht – zu einem Unikat, das der Gastronomie den dritten Weg weist.
Er ist kein verlorener Sohn, auch kein Renegat und schon gar kein Verbannter. Er ist nicht vom rechten Weg abgekommen, sondern hat seinen eigenen gewählt und aus freien Stücken darauf verzichtet, in den Olymp der Küchengötter aufsteigen zu wollen, obwohl genau dieser Weg ihm vorbestimmt zu sein schien. Anton de Bruyn, in Frankfurt geboren, in Offenbach aufgewachsen, in einer Familie leidenschaftlicher Genießer groß geworden, entschied sich spätestens nach der Lektüre von Anthony Bourdain für den Beruf des Kochs, lernte sein Handwerk bei Wahabi Nouri, einer Institution der Hamburger Spitzengastronomie, und verbrachte danach viele Jahre ausschließlich in Lokalen mit mindestens zwei Michelin-Sternen. Er durchlief die beinharte Schule des grandiosen Drei-Sterne-Kochs Christian Bau an der saarländischen Mosel, verfeinerte sein Können beim wunderbaren, mittlerweile gleichfalls mit drei Sternen dekorierten Heinz Reitbauer in Wien, erlebte prägende Jahre in einem Londoner Zwei-Sterne-Haus und beschloss bei seiner Rückkehr nach Frankfurt, dieser Welt den Rücken zu kehren – ohne sich aber von ihr loszusagen und ohne jemals die entscheidenden Jahre in seiner Küchenbiographie zu verleugnen.


