FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Vom Abbruch des Gesprächs :
Was wir uns versagen, wenn wir uns verschließen

Gastbeitrag
Von
Stephanie von Hayek
Lesezeit:
Wir schauen zu viel aneinander vorbei: Menschen mit ihren Smartphones Ende November 2024 im kalifornischen La Jolla.
Wir schauen zu viel aneinander vorbei: Menschen mit ihren Smartphones Ende November 2024 im kalifornischen La Jolla.Sandy Huffaker/Redux/Laif

Durch Austausch erwächst etwas Drittes, Überraschendes, Neues. Auf diese Weise kommen Kulturen und Gesellschaften weiter, sie bleiben vital. Was es psychoanalytisch bedeutet, das Gespräch miteinander abzubrechen.

Das weltweite Ausladen Intellektueller, zurzeit israelischer oder palästinensischer, hat nicht nur mit mangelnder politischer Analyse und Urteilsfähigkeit zu tun. Die Unfähigkeit, unterschiedliche Positionen auszuhalten, ist ein ­Zeichen für eine wachsende Kulturfeindlichkeit, deren Zielscheibe Intellektuelle sind und all jene, von denen etwas anderes, Neues, Un­gesagtes in Umlauf gebracht werden könnte. Wie ist dieser Mechanismus des Ein- und Ausschließens zu erklären, der für beide Seiten fatal ist? Wohin führt er? Und woher soll das Neue kommen, das unsere alten, reformbedürftigen Institutionen dringend benötigen, wenn einem anderen Diskurs als demjenigen, der im Jargon der Massen­medien getränkt ist, die Tür vor der Nase zu­geschlagen wird? Es bleibt bei einem „Diskurs“, von dem der französische Analytiker Jacques ­Lacan sprach.

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