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Ein Erfahrungsbericht : Die Geschichte meiner Kopfschmerzen

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Stichpunkt Kopf: Hier laufen alle körperlichen Schmerzen zusammen. Und der Kopfschmerz kann ihnen dabei in die Quere kommen. Bild: Stefan Matzke / sampics

„Es liegt am Stress! Probier Akupunktur!“ Ich lebte über Jahre mit chronischem Spannungskopfschmerz, der mich jeden Tag ohne Unterbrechung begleitete. Ein Erfahrungsbericht.

          Dreizehn Grad und Regen, Mai in Portugal. Und ich stand in einem Wetsuit im Meer auf einer Riffplatte, die Wellen schlugen unentwegt gegen die Felsen und gegen meinen Körper. Aber ich paddelte auf dem Surfbrett raus, versuchte eine Welle zu erwischen, und während der nächsten vier Stunden fiel ich meistens, noch bevor ich auf dem Board stand, ins Wasser. Ich hatte diesen Surfkurs gebucht und war blutige Anfängerin. Erst am dritten Abend, als jeder Muskel weh tat und ich mich erschöpft zum Essen aufmachte, dachte ich daran, dass ich ja chronische Kopfschmerzpatientin bin. In den Wochen vorher oder während der vergangenen Tage hatte ich nicht eine Sekunde überlegt, ob ein Surfkurs vielleicht nicht das Richtige sein könnte. Und auch jetzt gab es keinen Grund, daran zu zweifeln. Das Einzige, was an diesem Tag nicht schmerzte, war mein Kopf.

          Vor sieben Jahren, als mir die Diagnose chronischer Kombinationskopfschmerz gestellt wurde, hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass ich jemals wieder ein ganz normales Leben führen würde - wenn man davon ausgeht, dass ein Anfänger-Surfkurs mit über vierzig normal ist. Damals hatte ich mir allerdings auch nicht vorstellen können, dass ich in den nächsten zweieinhalb Jahren jeden Tag zwölf Stunden lang Kopfschmerzen haben würde. Wenn ich morgens aufwachte, war da schon ein dumpfes Drücken, was im Laufe des Tages unterschwellig blieb und manchmal auch heftiger wurde, als legte sich ein kaltes Stahlband um meine Schläfen und den Hinterkopf. Trotzdem schlief ich fast jeden Abend in der Hoffnung ein, der Schmerz würde am nächsten Tag einfach so verschwunden sein.

          Schmerz als Erkrankung

          Damals wie heute fragen mich die meisten Menschen, ob ich Migräne habe. Wenn ich dann sage: Spannungskopfschmerz mit neuropathischen Schmerzen, die lange Zeit in meinen Kopf einschossen wie ein spitzer Dolch, erlahmt das Interesse. Weil jeder selbst schon mal Spannungkopfschmerzen erlebt hat, lohnt sich die Nachfrage nicht, und die Ratschläge kommen meist schneller, als dass ich erzählen kann, wie ich damit umgehe. Es würde am Stress liegen, dass ich zu viel mit dem Kopf arbeite und ich es deshalb doch unbedingt mit Akupunktur, Osteopathie oder Heilfasten versuchen sollte. Auch zu einer Schwangerschaft wurde mir geraten. Aber niemand sagte, geh doch zu einem Schmerztherapeuten. Und ich fürchte, weil Schmerz nicht als Krankheit selbst begriffen wird, werden bei unzähligen Schmerzpatienten weiterhin Kiefer geröntgt, Zähne gezogen, Wirbel eingerenkt und Nacken massiert.

          Migräne gilt im Vergleich zu Spannungskopfschmerz als die interessantere Erkrankung, mit der Aura und den vielen prominenten Betroffenen wie Richard Wagner oder Friedrich Nietzsche. Und kaum ein Artikel über die „Volkskrankheit Kopfschmerz“ kommt ohne die Erwähnung von Cluster-Kopfschmerz aus, den sogenannten „suicide“ headaches, einer besonders rätselhaften, äußerst seltenen, aber auch fürchterlichen Schmerzkrankheit. Dass ungefähr drei Millionen Deutsche unter ordinären chronischen Spannungskopfschmerzen leiden, wird der Vollständigkeit halber dann auch noch erwähnt.

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