Wiener Volksoper über 1938 : Auf dem Irrweg

Auf einmal tauchen drei der Protagonisten in SA-Uniformen zur Probe auf: Die Wiener Volksoper zeigt zum 125-Jahr-Jubiläum unter dem Titel „Lass uns die Welt vergessen“ ein dunkles Kapitel der eigenen Geschichte.
Man schrieb den Februar 1938. In wenigen Wochen sollte Österreichs Geschichte von einem dunklen Kapitel überschattet werden: dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht und dem am 13. März 1938 von Hitler proklamierten „Anschluss“ seines Heimatlandes an das Deutsche Reich. Dass just in dieser bereits deutlich antisemitisch geprägten Atmosphäre eine harmlose Operette, „Gruß und Kuss aus der Wachau“ von dem tschechischen Komponisten Jara Beneš, an der Wiener Volksoper uraufgeführt wurde, entbehrt nicht einer bitteren Ironie. Zumal bereits vier Tage nach dem „Anschluss“ alle jüdischen Mitglieder der Volksoper entlassen worden waren und die Operette fortan mit neuen Hauptdarstellern gespielt werden musste.


