Gordon Wood gestorben : Als auf einmal alles anders wurde

Die Gründerväter der Vereinigten Staaten wussten, was sie taten, aber nicht, was sie auslösten. Gordon Wood, der Historiker des revolutionären Moments, ist im Alter von 92 Jahren gestorben.
Als 1969 Gordon Woods Buch „The Creation of the American Republic“ herauskam, stellte ein Historikerkollege an den Schluss seiner Besprechung in einer Fachzeitschrift einen Appell ans Lesevolk: Jedermann solle „ein Exemplar erbetteln, ausleihen oder stehlen, sich (reichlich) Zeit für die Beschäftigung mit ihm nehmen – und lesen“. Das aus der in Harvard eingereichten Doktorarbeit des Autors hervorgegangene Buch ist 650 Seiten dick, verlangt also in der Tat eine große Lesezeitinvestition. Der Rezensent wollte aber natürlich nicht sagen, dass der gewichtige Lesestoff nicht auch sein Geld wert sei. Indem er spaßeshalber mehr oder weniger unkonventionelle, jedenfalls kostenlose Erwerbsmethoden empfahl, nahm er ein Leitmotiv von Woods Forschungen auf, das in seinen späteren Werken noch deutlicher hervortrat. Anders gesagt: Er ließ sich von der Stimmung und Richtung der Erzählung mitreißen.


