NoViolet Bulawayos „Glory“ : Der amerikanische Pavian twittert nach Jidada

Eine postkoloniale Tiergeschichte auf mehr als 450 Seiten? Das mag abschreckend klingen. Tatsächlich zeigt NoViolet Bulawayos „Glory“, wozu die internationale Gegenwartsliteratur imstande ist.
Auch der Mauersegler genießt das Recht einer postkolonialen Betrachtungsweise. Dies zumindest ließ sich vor wenigen Monaten dieser Zeitung entnehmen, es ging um das Buch „Der Ruf des Sommers“ des Autors und Veterinärs Charles Foster. Was sich bei Foster beispielhaft zeigt, ist eine Entgrenzung des Kolonialismusbegriffs, die angesichts der gegenwärtigen Brisanz des historisch konkreten Siedlungskolonialismus und seiner Folgen fast etwas despektierlich wirkt: Die Bilder der Demonstranten, die im Niger die Fahnen der früheren Kolonialmacht Frankreich verbrannten, um stattdessen zur Flagge der Russischen Föderation zu greifen, stehen einem schließlich noch lebhaft vor Augen. Bei aller Liebe zum Mauersegler: In Fragen des Kolonialismus ist er bis auf Weiteres nur ein Randphänomen.


