https://www.faz.net/-gqz-9y1kh

Literaturwettbewerb : ORF plant Bachmannpreis 2.0

Ein Betriebsausflug des Literaturbetriebs, der so in diesem Jahr nicht mehr stattfinden kann: Autoren und Publikum im Jahr 2019. Bild: Picture-Alliance

Erst abgesagt, dann vielleicht doch nicht: Der ORF hat eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, die das Wettlesen um den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis ins Internet holen soll – zumindest für ein Jahr.

          2 Min.

          Freunde des Klagenfurter Wettlesens erleben dieser Tage ein Wechselbad der Gefühle. Erst wurden die Tage der deutschsprachigen Literatur abgesagt. Auf die daraufhin in den sozialen Medien vielfach gestellte Frage, ob man das ganze nicht vielleicht in die digitale Sphäre verlegen könnte, antwortete der offizielle Twitter-Account, „die Statuten der #tddl sehen vor, dass im Sinne der allg. Transparenz des Bewerbes, alle Texte von den TeilnehmerInnen direkt vor der Jury im ORF-Theater vorgetragen werden. Alle JurorInnen müssen bei Lesung anwesend sein, die Diskussion hat direkt danach öffentlich zu erfolgen“.

          Enttäuschend, aber einige Juroren wollten das nicht so einfach hinnehmen. Schließlich wurden die „Tage der deutschsprachigen Literatur“ bereits 1977 gegründet, die zitierten Statuten konnten also noch nicht mit der künftigen Existenz des Internets rechnen. Außerdem waren die Texte und Autoren für diesen Jahrgang schon ausgesucht, die größte Vorarbeit damit  geleistet. Fünf Jury-Mitglieder – Hubert Winkels und Nora Gomringer sind nicht dabei – verfassten also einen Offenen Brief an ORF-Kärnten-Landesdirektorin Karin Bernhard, in dem zunächst zur Solidarität mit Kulturschaffenden aufgerufen wird, und weiter: „Wir halten es für möglich, in Abwandlung der Statuten in dieser Ausnahmesituation eine alternative und mit den Ausgangsbeschränkungen zu vereinbarende Möglichkeit zu finden, den Bewerb auch 2020 im Fernsehen stattfinden zu lassen, und würden uns mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, diese Alternative mit dem ORF und den langjährigen Partnern durchzudenken und voranzutreiben.“

          Diskussionen über Skype?

          Diese Aufforderung hat man sich beim ORF nun zu Herzen genommen. „Mit vereinten Kräften werden wir in dieser herausfordernden Zeit Autorinnen und Autoren, Jurorinnen und Juroren sowie Leserinnen und Leser im digitalen Raum vereinen und einen Bachmannpreis 2.0 realisieren“, sagte Generaldirektor Alexander Wrabetz. Er war es auch, der sich im Jahr 2013 dazu erweichen ließ, den Wettbewerb nicht fallenzulassen, nachdem der ORF im Rahmen von Sparmaßnahmen bereits den Ausstieg erwogen hatte.

          Nun wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, teilt der ORF mit, in der die Verantwortlichen des Landesstudios Kärnten zusammen mit ORF.at und 3Sat eine Digitalversion entwerfen sollen. „Wie das aussehen könnte, wie die Autoren vielleicht über Skype lesen könnten, wie die Diskussion der Jury aussehen könnte, all das müssen sich nun Verantwortliche anschauen. Denn alles muss ja auch eine übliche ORF-Qualität haben“, sagt Landesdirektorin Karin Bernhard. In einem Gespräch mit dem  Deutschlandfunk ließ sie außerdem anklingen, dass die Digitalausgabe auch längerfristig Auswirkungen auf das Format haben könnte und betonte, es müsse sich um eine Spezialausgabe handeln. Denn gerade die Lesungen vor Live-Publikum und die Klassenfahrt-Athmosphäre machten den Wettbewerb aus.

          Die Lesungen und Diskussionen hätten vom 17. bis 21. Juni im ORF-Theater in Klagenfurt vor Studiopublikum stattfinden sollen und werden jedes Jahr sowohl vom ORF als auch von 3Sat und dem Deutschlandfunk übertragen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz (CDU)

          F.A.S. exklusiv : Merz will die Quote abwenden

          Friedrich Merz arbeitet bereits an einem Gegenvorschlag zu einer verbindlichen Frauenquote in der CDU. Und auch die Basis der Partei ist skeptisch. Merz’ Konkurrent Armin Laschet will sich nicht dazu äußern.
          Bewohner des dicht besiedelten Viertels Hillbrow in Johannesburg, Südafrika

          Bevölkerungswachstum : Afrikas demographisches Dilemma

          Bis zum Ende des Jahrhunderts leben elf Milliarden Menschen auf der Erde. Vor allem in Afrika steigt die Zahl. Was bedeutet das für den Kontinent und seinen Nachbarn Europa – auch im Hinblick auf das Coronavirus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.