Ulf Erdmann Ziegler: Nichts Weißes : Poetische Buchstabenwälder

Eine Schrift für alle Menschen: Ulf Erdmann Zieglers Roman „Nichts Weißes“ fasst eine Epoche und ihre Generation in 26 Zeichen.
Bei der Lektüre dieser Zeilen wird kaum jemandem auffallen, dass sie in der Schriftart Times gesetzt sind. Auch Leser von Büchern bemerken nur gelegentlich, dass Seiten schön und nicht überladen bedruckt sind, die Type angenehm, ungewöhnlich oder ausdrucksvoll auf sie wirkt. Schrift scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, die selten gebührende Aufmerksamkeit findet. In Ulf Erdmann Zieglers zweitem Roman „Nichts Weißes“ ist das völlig anders. Das Buch führt nämlich in die Zunft der Setzer, Schriftschneider und Grafikdesigner, deren Lebensbalsam sich einer „Serifenalchemie“ verdankt. Natürlich verfügen auch Typographen über eine eigene Sprache, die hier schön zum Einsatz kommt und dem Ohr des Bibliophilen vergleichbar schmeichelt wie Erläuterungen eines kundigen Sommeliers dem Weinkenner. Der Titel des Romans ist dabei Programm, sofern die uns umgebende zivilisierte Welt fast nirgends unbeschrieben ist. Überall wimmelt es von Zeichen und Symbolen, über deren Gestaltung wir kaum nachdenken, die sich aber bis zu den Logos und Labels der Werbung tief in unser Unterbewusstes eingraben.





