Jonas Eikas Roman : Das Evangelium nach Maria

Wer ist hier schwach und wer ist stark? Jonas Eikas Romanphantasie „Offener Himmel“ über Beginenfrauen im Hochmittelalter hat begeisternde Momente, changiert aber insgesamt zwischen Mystik und Albernheit.
Ist man bei der Lektüre im Gefolge einer munteren Schwesternschar erst einmal in der Backstube des Klosters Mont Cornillon angelangt, hat man den Scheitelpunkt zwischen spiritueller Erhabenheit und religiösem Kitsch erreicht, auf dem Jonas Eikas neuer Roman sich abspielt. Aus den Vertiefungen des noch heißen Hostieneisens mit den eingravierten Kruzifixen werden die knusprig gebräunten Oblaten herausgelöst, Unmengen von Hostien, denn der Bedarf an Abendmahlbrot steigt in jener Zeit des Kathedralenbaus und immensen Gottesbedarfs ins Maßlose, dass es selbst dem Klerus unheimlich wird.


