Dirigentin Marie Jacquot :
Was lesen Sie?

Von
Albrecht Selge (Protokoll)
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Die Dirigentin Marie Jacquot
Die Dirigentin Marie JacquotPicture Alliance

Jede Woche fragen wir Menschen aus dem Kulturbetrieb, was sie lesen und welches Buch in ihrem Schrank sie ganz bestimmt nicht lesen werden. Diesmal antwortet die Dirigentin Marie Jacquot.

Was lesen Sie?

Eine Partitur. Es war ein großer Wunsch von mir, Bruckner mit den Wiener Symphonikern zu machen, weil ich die Blechbläser dort extrem schätze. Ob Partituren lesen für mich auch ein Vergnügen ist? Ja und nein. Ich genieße es mehr, wenn ich ein bisschen mehr Freizeit dazwischen habe. Ansonsten steht gerade „Spötter im Frack“ von Rupert Schöttle auf meinem Schreibtisch, mit einem Vorwort von Nikolaus Harnoncourt. Ein superlustiges Buch: „Skurriles aus dem Orchestergraben“. Eine Geschichte handelt von Herbert von Karajan, der fast jedes Jahr den Rosenkavalier in Salzburg dirigiert hat, es war seine Lieblingsoper. Ich habe diese Oper selbst gerade in Kopenhagen dirigiert. In Salzburg gab es die Tradition im Orchester, kleine, lustige Schmähs zu machen. Zum Beispiel, dass das ganze Orchester einstimmt, wenn die Figur der Annina ihr lang gezogenes „Aaah“ macht. Oder wenn der Baron Ochs singt, er wäre lieber „da-heim“, die Musiker „da-heim“ machen. Aber einmal, bei einer wichtigen Probe, entschieden die Musiker, es diesmal lieber zu lassen. Karajan erwartete es jedoch, und es kam nichts, er riss die Augen auf, und nach dem Konzert sagte er zum Orchestervorstand: „Das machen Sie aber nie wieder!“ In Dresden habe ich übrigens vor Kurzem die „Dialoge der Karmeliterinnen“ von Francis Poulenc dirigiert, darin gibt es eine Stelle, an der eine Figur stöhnt: „Je suis fatiguée“, und da machte das ganze Orchester leise mit …

FAZ

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