Roman „Übung in Gehorsam“ : Das Stockholm-Syndrom als letzter Ausweg

Auf blutgetränkter Erde: Sarah Bernsteins „Übung im Gehorsam“ ist ein dunkles Kammerspiel über Judenfeindschaft, Macht und älteste Gefühlsstrukturen.
Es hört einfach nicht auf. In westlichen Gesellschaften, gerade auch in Deutschland, bricht sich der Antisemitismus wieder Bahn – mal laut und aggressiv auf der Straße oder im Netz, mal leise und scheinbar beiläufig im Alltag, auch im Kunst- und Literaturbetrieb. Die historischen Zäsuren erweisen sich als trügerisch. Feindbilder kehren zurück (wenn sie jemals ganz verschwunden waren), Verschwörungsmythen verbinden sich mit aktuellen Krisen und Konflikten. Projektionen, Schuldumkehr und Dämonisierung wirken zäh und böse fort.
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