Der Marsrover „Curiosity“ hat sich glänzend eingelebt auf dem Roten Planeten. Er klettert, kalibriert und fotografiert schon wie der Teufel, und die vorübergehende Einsamkeit dort oben scheint er in den Griff kriegen zu können. Die Nasa hat dafür gesorgt, dass er sich in der Einöde des Gale-Kraters jederzeit nützlich machen kann. Deshalb ist der Roboter auch multitaskend unterwegs. Manches davon werden wir hier sicher gut brauchen können. So wie etwa das intellektuelle Teflon der Curiosity-Mission, es steckt in seinen Stollenreifen. Die sind, wenn die noch unbestätigten, aber auch so ganz wertvollen Informationen aus dem inneren Zirkel der Marsgemeinde zutreffen, eine raffinierte Mischung aus Kommunikationsmedium und Werbeträger. In die Reifen sind rechteckige und quadratische Vertiefungen in einem ganz speziellen Punkt-Strichmuster angeordnet (.--- .--. .-..). Aus dem Morsealphabet übersetzt bedeutet das: „JPL“. Das steht natürlich für Jet Propulsion Laboratory und ist der Name jenes Nasa-Instituts, in dessen Hallen der intelligente Marsrover erschaffen wurde. Jedesmal also, wenn sich „Curiosity“ in Bewegung setzt, hinterlässt er im Marsboden einen Code, der viele Zwecke erfüllt: Er ist Ausdruck eines neuen interplanetaren Marketings und kommuniziert zugleich die üblichen extraterrestrischen Gebietsansprüche der Amerikaner.
Damit sind wir zurück auf heimischem Boden und irdischen Ansprüchen. Am Dienstagmorgen des 21. August nämlich soll sich vom Flugplatz Freiburg aus, der Kontrollzentrale der Technischen Fakultät, der erste intelligente Roboter in Bewegung setzen und die vier Kilometer Strecke bis zum Bertoldsbrunnen völlig autonom zurücklegen - möglichst ohne zu stolpern vorbei an Einkaufszentren, durch Parks und am fließenden Verkehr. Er darf weder mit Fußgängern zusammenprallen noch mit Autos kollidieren. Das Ganze ist ein europäisches Prestigeprojekt und heisst auch so: „Europa“. Das heisst aber noch nicht, dass das Flanierexperiment eine Pleite werden muss. Die Forscher haben bestimmt an alles gedacht (ob der Roboter unterwegs Brötchen holen geht?). Sie sollten allerdings die Zeit bis dahin dringend nutzen, das Schuhwerk ihres Spazierautomaten an die neuen internationalen Marketing-Gepflogenheiten anzupassen. Europa sollte leicht kodierbar sein, und auf der Welt gibt es inzwischen viele Ecken, in denen man gar nicht genug tun kann, den Klang dieses Namens aufzupolieren. Wichtig nur: Schnell patentieren lassen. Sonst streifen durch unsere Straßen bald Googleroboter auf amerikanischen Sohlen.
sms vom Mars
Michael Köhn (Literatalibre)
- 09.08.2012, 08:33 Uhr
Herr Dr. Menzel,
Matthias Große (Merwig)
- 08.08.2012, 21:50 Uhr
"Die Qualität der Aufnahme ist allerdings nicht optimal,
Dr. Michael Menzel (DrMurke)
- 08.08.2012, 18:47 Uhr
Prognose zur Zukunt der Raumexpedition
Henk Wilbert (H.Wilbert)
- 08.08.2012, 14:27 Uhr
