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Veröffentlicht: 29.08.2013, 20:01 Uhr

Finanzkrise Europa dringt auf Regeln für Schattenbanken

Der Finanzkrise folgte eine schärfere Regulierung. Doch was ist mit Hedgefonds und Geldmarktfonds? Sie können zwar auch gefährlich sein, die Regeln sind aber lückenhaft. Nun gibt es neue Vorschläge.

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© Bloomberg Wollen die Schattenbanken an die Leine nehmen: FSB-Generalsekretär Andresen und Notenbankchef Carney

Kein Ort, kein Finanzprodukt und kein Akteur solle unreguliert bleiben, so lautete einst das Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, gegeben im Jahr 2008 zu Beginn der Finanzkrise. Fünf Jahre später ist die wirksame Regulierung aller Bereiche der Finanzmärkte längst nicht erreicht. Die sogenannten Schattenbanken machen den Aufsehern Sorgen, die nicht wie Banken reguliert sind, aber ähnlich große finanzielle Risiken anhäufen können. Nun hat der Rat für Finanzstabilität, Financial Stability Board oder FSB genannt, neue Empfehlungen gegeben, zumindest in einigen Teilbereichen scheint es voranzugehen. Das Gremium arbeitet im Auftrag der G-20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, die sich in der kommenden Woche in Sankt Petersburg treffen werden.

„Die Empfehlungen des FSB zur Überwachung und Regulierung von Schattenbanken und zur Reduzierung der Risiken aus Wertpapierleihe- und Repogeschäften sind ein großer Schritt in die richtige Richtung“, sagt Elke König, Präsidentin der deutschen Aufsichtsbehörde Bafin, dieser Zeitung. Die Vorschläge des FSB, in dem König mitarbeitet, trügen zu mehr Transparenz bei. Allerdings seien die Arbeiten an der Regulierung der Schattenbanken noch lange nicht abgeschlossen. „Im Gegenteil: Es ist nun wichtig, dass wir das Momentum der Regulierung aufrechterhalten. Wir müssen die einzelnen Regulierungsempfehlungen, die derzeit noch viel Spielraum in der nationalen Umsetzung erlauben, zu einem verbindlichen und einheitlichen Rahmenwerk weiterentwickeln“, sagt König. Bundesbankvorstand Andreas Dombret sprach am Donnerstag von einem Etappenziel, das erreicht sei. Nach dem G-20-Treffen, wo der FSB-Entwurf eine wichtige Rolle spielen solle, komme es darauf an, die Beschlüsse rasch umzusetzen. „Wir sollten uns aber nicht der Illusion hingeben, dass dann alle Probleme gelöst seien. Das Schattenbankensystem ist sehr dynamisch, daher werden wir die Regulierungsmaßnahmen laufend überprüfen müssen. Wir sollten aber darauf achten, nur dort zu regulieren, wo systemische Risiken entstehen können“, sagte Dombret.

Bilanzsumme der Schattenbanken mehr als verdoppelt

Als Schattenbanken gelten nach dem Verständnis des FSB Institutionen, die keine Banken sind, aber dennoch Kredite vergeben und dabei Fristentransformation betreiben. Das können Hedgefonds oder Private-Equity-Fonds sein, aber auch Pensionsfonds oder Versicherer. Angesichts der Kapitalknappheit der Banken und der verschärften Regulierung der Banken hat der Anreiz zur Abwanderung von Kapital ins Schattenbankensystem zugenommen. Allein in den Jahren 2002 bis 2011 hat sich die Bilanzsumme der Schattenbanken nach Daten des FSB auf rund 67 Billionen Dollar mehr als verdoppelt. In den Vereinigten Staaten machen die Schattenbanken mehr als ein Drittel des gesamten Finanzsystems aus, nach Angaben der Bundesbank entspricht hierzulande die Bilanzsumme der Schattenbanken 15 Prozent der Bilanzsumme der regulierten Banken.

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Doch gerade von Europa geht der Druck hin zu einer schärferen Regulierung aus. Denn in der Finanzkrise trugen insbesondere Geldmarktfonds über die Ländergrenzen hinweg zu einer Verschärfung bei. Die Geldgeber der wenig regulierten Fonds zogen ihre Mittel ab. Dadurch mussten auch die Fonds ihre Ausleihungen an Unternehmen und Banken reduzieren und verstärkten dadurch die Liquiditätskrise. Deswegen zählen Vorschriften zu den Mindestanforderungen an die Liquiditätssicherung zum Kern der FSB-Vorschläge. Die Stabilitätswächter setzen zunächst auf die Sammlung von Daten und im zweiten Schritt auf indirekte Regulierung. Da man sich international nur schwer auf eine unmittelbare Aufsicht über die Schattenbanken einigen kann, sollen die Bereiche reguliert werden, an denen Schattenbanken mit dem regulären Bankensystem in Berührung kommen. Der Fokus liegt außerdem auf der Wertpapierleihe. Die Aufseher fürchten Risiken, die daraus resultieren, dass als Sicherheiten verwendete Bareinlagen und Wertpapiere für weitere Transaktionen verwendet und so mehrfach als Pfand verwendet werden. Diese Praxis könne prozyklisch wirken, warnte kürzlich Dombret. In guten Zeiten erhöht sich die Verschuldung des Finanzsystems und in schlechten Zeiten, wenn jedermann seine liquiden Mittel schonen will, kann die Mehrfachverwendung von Sicherheiten im Schattenbankensystem die Liquidität zusätzlich verknappen.

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