Beuys als rechter Denker? : Wie man den Toten die Bilder erklärt

Wieder mal wird Joseph Beuys rechtes Denken vorgeworfen, wie auch seinem Mitstreiter Rudi Dutschke. Was ist dran, und was heißt das für das Werk?
Dass Joseph Beuys, Schöpfer eines einzigartigen Beitrags zur Nachkriegskunst, Wortführer der Basisdemokratie und Mitbegründer der ökologischen Bewegung, ein mythisch raunender Scharlatan und autoritär agierender Menschenfänger gewesen sei, dieser Vorwurf begleitet sein Werk seit Jahrzehnten. Als 1979 eine Ausstellung im New Yorker Guggenheim Museum seinen Weltruhm zementierte und Beuys für die NRW-Grünen für das Europaparlament kandidierte, widmete der „Spiegel“ ihm eine skeptische Titelgeschichte, und der Kunsthistoriker Benjamin Buchloh rückte ihn in der amerikanischen Zeitschrift „Artforum“ unter dem Vorwurf des Apolitischen und Ahistorischen als Feindfigur aufgeklärten linken Denkens neben Richard Wagner. Bei Wahlkampfveranstaltungen mit Petra Kelly wurde Beuys als „Wasserträger der Neofaschisten“ beschimpft, wie in der soeben neuaufgelegten Biographie von Hans Peter Riegel nachzulesen ist, die zuerst 2013 erschien und nun, nachdem Sperrfristen weiterer Archive abgelaufen waren, neuen Wind macht.





