Bücherherbst :
Wovon die wichtigsten Debüts erzählen

Von
Volker Weidermann
Könnte langweilig sein, ein Buch über die Angst. Vor allem, wenn es gar nichts gibt, wovor Ada, 25, Schauspielerin ohne Engagement, sich wirklich fürchten muss. Außer: allem. Außer: dem Leben. Außer: der Freiheit. Und Ebola, Erdbeben, Ersticken und Erschlagenwerden. Diese Ada ist eine lächerliche, eine tragische Figur. Eine von uns. Eine Frau aus unserer Zeit. Sie hat nur einfach eine etwas dünnere Membran, dort, wo andere sich ein dickes Fell zurechtgelebt haben mit den Jahren. Sie geht auf schwankendem Grund, versucht trotzdem, aufrecht zu stehen. Für ihre Ängste hat sie in ihrer Wohnung ein Zimmer eingerichtet. So sind sie nicht fort, aber sie hat das Gefühl, sie habe sie unter Kontrolle.  	Bis Juri kommt. Er ist der Enkel des Vermieters und will in das freie Zimmer ziehen. Sieht er nicht, dass es gar nicht frei ist? Die Ängste wohnen da, Wände mit Zähnen, eine Welt ohne Boden. Juri zieht tatsächlich ein, in das Abgrundzimmer. Ihn scheinen die Ängste nicht zu berühren. Simone Lappert, 29, lebt in Basel, hat ein Buch geschrieben, in das Rezensenten jetzt wieder hineinrufen können: Mädchen, steh auf! Wo du Ängste siehst, ist nichts. Du leidest unter Langeweile und zu viel Zeit. Diesen Vorwurf hat Lappert gleich mit in ihren Roman integriert. „Meine Mutter sagt“, so Ada, „wir seien eine Horde gelangweilter Allergiker, für die es schon ein Abenteuer sei, Kaffee ohne Milch zu trinken.“  	Aber die Panik und die Lebensangst von Ada werden durch diesen Spott nicht kleiner. Sie sind ja da und groß, man glaubt Ada und dem Roman jede einzelne Furcht.  	Simone Lappert: „Wurfschatten“. Metrolit, 200 Seiten, 20 Euro

6 Bilder

Björn Greve

Kann man die Angst in ein Zimmer sperren? Ist Schönheit ein Orangenpapier? Kann eine Tätowiermaschine Menschen retten? Sieht man von oben den Plan, der unten nicht aufgeht? Sechs deutsche Debütanten der Saison.

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