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Mädchenschulen : Besser lernen ohne Jungs

  • -Aktualisiert am

Mütter, die auf einer Mädchenschule waren, schicken meist auch ihre Töchter wieder auf eine. Bild: Agentur Focus

Sie gelten als altmodisch und exotisch. Zu Unrecht, klagen Schülerinnen, die sie besuchen. Ein anderes Klischee über Mädchenschulen stimmt allerdings - es hat mit Naturwissenschaften zu tun.

          Von rund 38.000 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland sind nur 163 reine Mädchenschulen. Meist befinden sie sich in kirchlicher, vor allem katholischer Trägerschaft. In Bayern, Westfalen, im Rheinland und in Baden-Württemberg können Eltern ihre Töchter vielfach noch monoedukativ, also gleichgeschlechtlich, beschulen lassen. Bayern liegt anteilsmäßig vorn: Jede zweite Mädchenschule liegt im Freistaat.  Der Norden und Osten Deutschlands sind dagegen weitgehend mädchenschulfrei. „Hier in Bayern ist es noch ganz normal, auf eine Mädchenschule zu gehen“, berichtet die Augsburger Jugendforscherin Leonie Herwartz-Emden.

          Sie selbst ist früher auf eine gegangen, und auch ihre Tochter hat wieder eine Mädchenschule besucht. „In Deutschland wurde die gemischtgeschlechtliche Erziehung lange Zeit als Fortschritt verkauft: Koedukation sei emanzipativ und modern, hieß es. Das ist aber nur sehr eingeschränkt der Fall.“ Leonie Herwartz-Emden hat viel zu dem Thema geforscht und diverse Bücher veröffentlicht. Ihr Fazit: Mädchen, die Mädchenschulen besucht haben, sind gegenüber Geschlechtsgenossinnen aus gemischten Schulen im Vorteil. So könnten sie etwa im naturwissenschaftlichen Bereich besser gefördert werden.

          Mädchenschülerinnen, so zeigten ihre Studien, würden seltener das typische Jungsfach Physik als „unbeliebtestes Fach“ bewerten, während dies in koedukativen Klassen immerhin jedes dritte Mädchen tut. Auf Mädchenschulen würden sich Schülerinnen im Physikunterricht auch wohler fühlen. Wichtig sei aber, sagt die Professorin, dass die monoedukative Erziehung langfristig und kontinuierlich angelegt sei. Nur dann komme es zu den belegten positiven Effekten.

          Schüchterne Mädchen können sich entfalten

          Im englischsprachigen Ausland habe man Monoedukation übrigens nicht derart verteufelt wie hierzulande, bemerkt die Forscherin. „Deshalb gibt es dort noch sehr viele und sehr gute Mädchenschulen.“ Martina Wieser von der Euro-Internatsberatung in München bestätigt: „Britische Mädchenschulen schneiden bei Rankings im naturwissenschaftlichen Bereich sehr gut ab. Schüchterne Mädchen können sich dort hervorragend entfalten.“ Diese Schulen seien auch bei deutschen Eltern - vor allem bei den Vätern - für Auslandsaufenthalte ihrer pubertierenden Töchter sehr beliebt. „Der behütende Aspekt spielt natürlich eine Rolle. Viele Mädels, die hierzulande gemischte Schulen besuchen, sind aber auch einfach selbst neugierig und wollen für ein oder zwei Terms Mädchenklassenluft schnuppern. Meist gefällt es ihnen dann so gut dort, dass sie gar nicht weg wollen“, berichtet Wieser.

          Das sei insofern verständlich, als Jungen und Mädchen anders lernen: „Mädchen brauchen Ruhe im Unterricht, Jungen Aktivität. Bei Jungs kann der Lehrer nicht genug vorturnen, Mädchen brauchen das nicht.“ Es ist paradox: Nicht trotz, sondern wegen der Diskurse um Emanzipation und Gendermainstreaming hat die „höhere Töchterschule“ nicht an Ansehen verloren, sondern kann sich - wo es sie denn noch gibt - vor Zulauf kaum retten. Denn wer heute seine Tochter zum Lernen in die jungenfreie Zone schickt, legt sich die Argumente genau zurecht.

          Vielen Eltern spricht dann wohl die Kinderbuchautorin Cornelia Funke („Wilde Hühner“, „Tintenherz“) aus dem Herzen: Die in die Vereinigten Staaten ausgewanderte Schriftstellerin schickte ihre Tochter Anna auf eine Mädchenschule, weil sie es leid war, dass sich nette Mädchen jedes Mal in unselbständige Zicken verwandelten, sobald Jungs in der Nähe waren. Zu ihrer eigenen Schulzeit an einer katholischen Mädchenschule in Nordrhein-Westfalen sagte die Schriftstellerin: „An einer Mädchenschule kannst du lernen, dass es keine Grenzen für Frauen gibt. Frauen können alles, alles. Es gab nichts, was wir nicht machten. Wir waren alle sehr selbstbewusst.“

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          Oft herrscht in Familien ein regelrechtes „Mädchenschul-Gen“: Hat die Mutter eine Mädchenschule besucht, wird die Tochter auch dort angemeldet. Der Ludwigsburger Erziehungswissenschaftler Rafael Frick spricht von „Schulbesuchstraditionen“, die allerdings auch für andere Schulspezifika gelten, etwa Schulform und Trägerschaft: Haben die Eltern beispielsweise eine Realschule besucht, sollen die Kinder mindestens auch eine Realschule besuchen; haben die Eltern eine konfessionelle Schule besucht, ziehen sie für ihre Kinder eine ebensolche eher in Betracht als andere Eltern.

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