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Zwei oder drei Millionen Euro? : Christie’s versteigert Einstein-Manuskript

Albert Einstein hält einen Vortrag auf dem 6. Solvay-Kongress in Brüssel 1930. Bild: picture alliance

Es ist alles relativ: Christie’s versteigert im November das mutmaßlich wertvollste Manuskript von Albert Einstein. Es wird auf einen siebenstelligen Betrag geschätzt.

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          Was ist die Natur von Raum und Zeit? Schon viele Physiker und Philosophen haben darüber reflektiert. Doch keiner hat mit seinen Schlussfolgerungen das physikalische Weltbild so umgekrempelt wie Albert Einstein. Die Ergebnisse seiner Studien, die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie, zählen neben der Quantentheorie zu den großen physikalischen Theorien des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie haben die Vorstellung von der Raumzeit, der Gleichzeitigkeit, vom Wesen der Schwerkraft revolutioniert.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ein Manuskript des großen Physikers zur allgemeinen Relativitätstheorie wird nun im November bei Cristie’s in Paris versteigert. Der Wert des Dokuments, das Einstein zwischen Juni 1913 und Frühjahr 1914 mit seinem Kollegen und Freund Michele Besso verfasste, wird auf zwei bis drei Millionen Euro geschätzt. Damit handelt es sich nach Aussagen des Auktionshauses um das wertvollste Einstein-Manuskript, das jemals zur Versteigerung angeboten wurde.

          Das vierundfünfzig Seiten umfassende Arbeitspapier entstand in Zürich, als Einstein begann, über Fragen nachzudenken, die schließlich in seiner allgemeinen Relativitätstheorie mündeten, die er schließlich im Jahr 1915 in Berlin zum Abschluss brachte und veröffentlichte. Er grübelte mit Besso über ein Problem, das viele Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten beschäftigte: die Periheldrehung des Merkur. Beobachtungen haben ergeben, dass die stark elliptische Bahn des inneren Planeten des Sonnensystems von dem abweicht, was nach den newtonschen Gesetzen zu erwarten wäre.

          Zwei Seiten des Manuskript von Einstein und Besso aus den Jahren 1913/1914
          Zwei Seiten des Manuskript von Einstein und Besso aus den Jahren 1913/1914 : Bild: Christies

          Einstein und Besso konnten diese Diskrepanz mit der allgemeinen Relativitätstheorie erklären. Danach krümmt die Masse der Sonne den Raum so stark, dass sich der sonnennächste Punkt der Merkurbahn, der Perihel, messbar um unser Gestirn dreht.

          Albert Einstein verlor 1913 das Interesse an dem Manuskript, das er wohl selbst nur als Versuch betrachtete. Und so wäre das Dokument womöglich verloren gegangen, wenn nicht Michele Besso, als er Zürich verließ, es an sich genommen hätte. Einstein veröffentlichte schließlich im November 1915 eine Arbeit, in der er den Verlauf der Merkurbahn mit den Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie exakt berechnete.

          Handschriftliche Forschungsmanuskripte von Einstein aus dieser Zeit seien „äußerst selten“, sagt Adrien Legendre, Direktor der Abteilung für Bücher und Manuskripte von Christie’s. Ein anderes bekanntes Dokument aus dieser entscheidenden Phase in Einsteins Forschungen, das „Züricher Notizbuch“, befindet sich im Einstein-Archiv in Jerusalem.

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