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Geburtsmedizin : Zu viel Zug am zarten Babyköpfchen?

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Schon länger wird überdies diskutiert, ob das Geburtsgewicht, die Größe und die Wachstumsdynamik des Ungeborenen das Risiko für Gehirntumoren erhöhen könnten. Zwar fallen die Resultate nicht einheitlich aus. Aber in einer der Studien ging ein großer Kopfumfang später bei jungen Männern mit einem höheren Risiko für Meningeome einher. Das sind Tumore, die aus den Hirnhäuten hervorgehen. Eine Auswertung mehrerer Studien, an der auch Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg beteiligt waren, belegt ebenfalls eine Korrelation zwischen einem hohen Geburtsgewicht und bestimmten Hirntumoren – in diesem Fall waren es Astrozytome, deren Ursprung die Füllzellen im Gehirn sind.

Mehr Qualitätskontrolle bei Saugglockengeburten

Ein schweres Kind oder eines mit überdurchschnittlich großem Kopf bleibt eher im Geburtskanal stecken. Wenn sich die Geburt verzögert und sich am Ende im Kreißsaal nervöse Hektik breitmacht, weil beim Kind ein Sauerstoffmangel droht, soll meist die Saugglocke es richten. Es könnte sich also um einen mittelbaren Effekt handeln. Das gilt auch für andere Schäden am Gehirn des Kindes. So geht aus einer Analyse des schwedischen Geburtsregisters – es erfasst nahezu lückenlos 99 Prozent der Geburten – hervor, dass nach einer Saugglockengeburt umso mehr Schäden zu fürchten sind, je schwerer das Kind bei der Geburt ist. Das gilt für Krampfanfälle, Lähmungen der Armnerven oder auch Blutungen innerhalb des Schädels.

Wenn bei einem großen Kopf oder schweren Kind die Saugglocke abrutscht und mehrere Versuche notwendig sind, werden nicht nur Mutter und Baby unnötig traktiert, es vergeht auch wertvolle Zeit, wenn am Ende doch nur ein Kaiserschnitt das Kind retten kann. Die korrekte Plazierung der Saugglocke ist daher essentiell, wie Untersuchungen am Universitätsspital in Zürich zeigen. Dort bemüht man sich geradezu vorbildlich, die Schäden für Mutter und Kind durch eine Analyse möglicher Fehlerquellen zu minimieren.

In Zürich dokumentieren die Ärzte bereits seit mehreren Jahren, wo sich bei einer Geburt der Abdruck der Saugglocke am kindlichen Köpfchen befand. Damit lässt sich später objektiv nachvollziehen, ob die Glocke korrekt plaziert war – eine Form von Qualitätskontrolle, wie sie für alle Geburtskliniken verbindlich sein sollte. Erkennbare Verbesserungen führt man in Zürich darauf zurück, dass sich die Geburtshelfer durch dieses Vorgehen verstärkt beobachtet fühlen. Dies funktioniere allerdings nur mit der positiven Einstellung, mit Fehlern konstruktiv umgehen zu wollen, heißt es in der Arbeit, die in der „Zeitschrift Geburtshilfe und Neonatologie“  erschienen ist.

Das zeigt aber auch, dass immer mehr Ärzte die Vakuumentbindung nicht einfach als Variante der natürlichen Geburt sehen, sondern als Geburtsform mit eigenen Risiken. Dennoch kommt sie immer häufiger zum Einsatz. Waren es im Jahr 2007 noch 30.836 Vakuumgeburten, kamen bis 2017 noch einmal rund 15.000 hinzu. Dies ist nicht allein der seither gestiegenen Geburtenrate geschuldet. Das liegt vor allem daran, dass die immer älter werdenden Erstgebärenden, die immer öfter schwerere Kinder haben, immer kompliziertere Geburten durchleben müssen. Wenn trotz solcher Handicaps die natürliche Geburt favorisiert wird, bleibt meist nur die Saugglocke, um die Geburt zu beenden, da die Zange angesichts noch größerer Nachteile kaum noch verwendet wird. Ein Aufsatz in der Zeitschrift „Die Hebamme“ belegt dies anhand von Erfahrungen am Evangelischen Diakoniekrankenhaus in Freiburg. Dort haben Geburtshelfer die Kaiserschnittrate von 2009 bis 2013 zwar kontinuierlich von 30,3 Prozent auf 22,5 Prozent senken können. Das hatte jedoch seinen Preis, denn der Anteil der Saugglockengeburten lag dafür mit 16 Prozent weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt von unter sechs Prozent. Ob solch ein „Tausch“ angesichts der aktuellen Studien wirklich sinnvoll ist, muss womöglich auf den Prüfstand.

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