Politik in den „Peanuts“ : Ungefähr sagt das der Pfarrer auch

Tag für Tag ein offenes Kunstwerk, und am Sonntag erst recht: Die Vieldeutigkeit der „Peanuts“ erlaubte es Charles M. Schulz, kontroverse politische Gegenstände zu behandeln.
Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten entschied 1962 und 1963, dass die Garantie der Religionsfreiheit ein verbindliches Schulgebet in öffentlichen Schulen verbietet, auch in der Variante gemeinschaftlicher Bibellektüre am Anfang des Schultags. Beide Urteile ergingen mit nur einer Gegenstimme. Charles M. Schulz, Autor und Zeichner des Comicstrips „Peanuts“, der täglich in Tausenden von Zeitungen gedruckt wurde, erhielt zur „Peanuts“-Folge vom 20. Oktober 1963 einen Leserbrief aus Houston, dessen Verfasser die Episode mit Charlie Brown und seiner Schwester Sally als Kommentar zu den Urteilen verstanden hatte. Viele Hundert Wörter habe er zu den Gerichtsentscheidungen gelesen, schrieb Texas H. Stevens, aber nichts sei so eloquent, kraftvoll und treffend gewesen wie „diese acht Wörter“ in der Comicbeilage der Sonntagszeitung, „vor den Hintergründen, die Ihr Genius ihnen beigegeben hat“. Der Historiker Blake Scott Ball hat für sein Buch „Charlie Brown’s America. The Popular Politics of Peanuts“ (Oxford University Press 2021) die Mappen mit Leserpost im Nachlass im Charles M. Schulz Museum in Santa Rosa in Kalifornien ausgewertet. Die acht Wörter vom 20. Oktober 1963 füllen drei Sprechblasen. Sally hat eine Neuigkeit für Charlie Brown und lässt ihn raten. Im letzten Bild verrät sie ihr Geheimnis: Wir haben heute in der Schule gebetet!
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