Baubedarf : Auf Kollisionskurs
Bessere Bahnstrecken, mehr Stromnetze und Wohnungen: Mit dem Baubedarf geraten immer wieder unterschiedliche Interessen aneinander.
Deutschland hat an vielen Stellen Nachholbedarf. Das erkennen immer mehr Politiker und versprechen Hilfe. Woran es hakt, ist oft genug zu hören: Bahnen und Busse sind zu überfüllt, zu unpünktlich oder zu langsam. Brücken werden gesperrt und abgerissen, weil sie der Last nicht mehr standhalten. Die Energieversorgung der Zukunft benötigt mehr Stromleitungen und dezentrale Netze. Und seit Langem fehlt es an Wohnungen in den Städten. Das gilt nicht gleichermaßen über das ganze Land verteilt. In vornehmlich ländlichen Regionen ist der Andrang überschaubar, aber gerade im städtischen Raum wächst der Baubedarf. Das Regierungsziel von 400.000 neuen Wohnungen jedes Jahr bleibt unerreicht. Mit dem Zuzug in die urbanen Regionen braucht es weitere Schulen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen, Rechenzentren und Logistikhallen. Wer soll das alles bauen? Mit der Zeit wird das zu einer Fachkräftefrage. Zumal Sanierungen, Heizungswechsel und der Einsatz von Photovoltaikanlagen auf dem Weg der Dekarbonisierung Handwerker beschäftigen werden. Ohnehin ist der Platz in der Stadt eng. Wo ein Park ist, wo Gleise liegen, wo Autos auf einer Straße fahren, soll kein Haus entstehen. Immer wieder prallen so unterschiedliche Interessen aufeinander und geraten auf Kollisionskurs – wie im Streit, ob Wohnungen auf alten Bahntrassen entstehen können. Das hält den Aufholprozess auf. Statt neuer Vorschriften braucht es Erleichterungen, die den Personalbedarf und die Bürokratie in Grenzen halten. Es gibt genug zu tun.
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