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Kompostierbare Pappe : Ein Kaffeebecher gegen 200 Milliarden Becher Müll

Sanft im Griff: Für Verbraucher ändert sich nichts Bild: Pardey

Milliarden Pappbecher landen jedes Jahr in der Mülltonne und können nur aufwendig recycelt werden. Der kompostierbare Pappbecher soll Rettung bringen - und den beliebten Kaffee zum Mitnehmen umweltfreundlicher machen.

          2 Min.

          Fast-Food ist vor allem bei jungen Leuten beliebt, das schnelle Essen aber mit Müllbergen verbunden. So fällt alljährlich die ungeheure Menge von 200 Milliarden Pappbechern an, hinzu kommen andere mit Kunststoff beschichtete Papierverpackungen. Sie können nur mit beträchtlichem Aufwand von speziellen Unternehmen recycelt werden oder landen auf der Deponie.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Damit soll jetzt Schluss sein. Das niederländische Unternehmen Akzo Nobel, das mit 50000 Mitarbeitern in 80 Ländern zu den führenden Herstellern von Lacken und Farben gehört, hat eine Art Haut entwickelt, die das Papier resistent gegen Flüssigkeiten und Fett macht und trotzdem kompostierbar ist. Auch die Wiederverwendung des Papiers ist nach Angaben des Unternehmens ohne Schwierigkeiten möglich.

          Die Produktion in Nordamerika läuft demnächst an, in Europa sollen die neuen Becher Mitte des nächsten Jahres auf den Markt kommen. Die Zulassungsverfahren in Amerika und auch in Deutschland hat der Hersteller inzwischen hinter sich gebracht.

          Kompostierbare Einwegbehälter mit neuer Beschichtung

          Kompostierbare Einwegbehälter sind im Grunde nicht neu, sie werden bisher aus Polylactiden (PLA) hergestellt; Rohstoff ist meist Mais. PLA ist allerdings für heiße Flüssigkeiten nicht gut geeignet und deutlich teurer als Pappe. Die in der Masse verwendeten Becher sind seit etwa vier Jahrzehnten mit Polyehtylen (PE) beschichtet, davor wurde Wachs verwendet. Das stabile Thermoplast PE verrottet nicht, es muss zum Recycling mühsam vom Papier getrennt werden. Die neue Beschichtung von Akzo Nobel namens EvCote Water Barrier3000 ist mit 9 bis 15 Gramm je Becher nur etwa halb so dick wie jene aus PE. Sie wird als wässerige Lösung aufgetragen und enthält höchstens 30 Prozent Festkörperanteile.

          Wie wir an Bechern aus der Vorproduktion feststellen konnten, bemerkt der Verbraucher keinen Unterschied, vielleicht fühlen sie sich etwas samtiger an. Dicht sind sie auch. Außer Wasser sind in der Beschichtung pflanzliche Öle und ein geringer Anteil Polyethylen-Terephthalat (PET) enthalten, ein im Vergleich zum PE weniger stabiler Kunststoff, der aus recycelten Flaschen gewonnen wird. Die Mixtur führe dazu, dass die Moleküle aufgebrochen und in kleine Bestandteile zerlegt werden, erklärt Marketingdirektor Martin Hilgenstock. „In unseren Versuchen war das PET in 75 Tagen zu 90 Prozent verschwunden.“

          Ein großer Vorteil im Produktionsprozess gegenüber dem PE ist es, dass beim Recycling die Qualität der Papierfasern erhalten bleibt, so dass aus den ehemaligen Behältnissen andere Papierprodukte hergestellt werden können. Vor allem aber kann der Papierabfall in Form von Stanzresten, der bisher auf Deponien landete, wiederverwendet werden. Die alljährlich anfallende Menge an solchen Resten ist nach Angaben der Akzo Nobel so groß, dass man einen 20 Zentimeter breiten Streifen beschichteten Papiers 43 Mal um die Erde wickeln könnte.

          Der neue Becher lohnt sich auch betriebswirtschaftlich

          Da die Papierkosten für die Hersteller der Becher den größten Einzelposten ausmachen, lohnt der Einsatz der neuen Becher nicht nur mit Blick auf die Vermeidung von Müll, sondern auch betriebswirtschaftlich. Zwar ist die Beschichtung teurer als PE, in der Summe lägen die Kosten aber auf ähnlichem Niveau, sagt Hilgenstock. Mit EvCote können nicht nur Papierbecher vor Wasser und Fett geschützt werden, sondern auch Verpackungen aus Wellpappe, Faltschachteln und Behälter für Getränke. Ein Schwesterprodukt soll demnächst die beschichteten Verpackungen für Pommes frites ersetzen. Die wasserdichte Haut wird nach Angaben des Herstellers in leicht geänderter Rezeptur dann auch für Heißgetränke verwendet.

          Die Becher herzustellen ist schwieriger als die Fertigung von Beuteln für die Fritten, weil sie auch an den Falzen dicht sein müssen und eine gewisse Festigkeit brauchen, damit sie nicht in der Hand zerknüllen. Aus diesem Grund muss nach Angaben der Akzo Nobel die Beschichtung auf die jeweilige Anforderung abgestimmt sein.

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