https://www.faz.net/-gy9-7o3oa

Helsinki : Mit Rööri gegen den Müll

Müllbewältigung in Helsinkis Hafenviertel Kalasatama Bild: Maria Wiesner

Die Stadt Helsinki setzt beim Ausbau eines ehemaligen Hafenviertels auf Umweltschutz. Müll wird einfach weggesaugt.

          „In Zukunft wird der Müll hier abgesaugt“, sagt Pekka Sauri und kreist mit dem Finger über einem Stadtplan von Helsinki. Er ist der stellvertretende Bürgermeister, Mitglied der finnischen Grünen, und erzählt gerade, wie die Stadt umweltfreundlicher werden soll. Sein Finger bleibt östlich der Innenstadt liegen: Kalasatama steht dort. In dem ehemaligen Hafenviertel baut die Stadt seit 2009 Apartments - und eine neue Müllabsauganlage.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Nie wieder sollen die Anwohner frühmorgens durch die Müllabfuhr geweckt werden, die die Tonnen klappernd bei laufendem Motor entleert. Nie wieder sollen sie zu spät zur Arbeit kommen, weil das Müllfahrzeug die Durchfahrt versperrt - und das würde wohl sehr schnell passieren, denn die Straßen in Kalasatama sind schmal. Die teuren Quadratmeter in der finnischen Hauptstadt werden lieber für Wohnungen genutzt. Hier also soll der Müll zukünftig direkt vor der Tür abgesaugt werden.

          Die Beutel schwimmen quasi in der Luft

          Dafür zuständig ist das Unternehmen IMU. Projektleiter Jarmo Mattila macht einen kleinen Rundgang durch das Viertel und erklärt, wie das mit dem Müllabsaugen eigentlich funktioniert. „Zunächst einmal ist da das Röhrensystem: Rööri“, sagt Herr Mattila und zeigt auf die neugebauten Straßen im Viertel. Ein Meter unter dem Asphalt verlaufen die Röhren, durch die der Müll zur Sammelstation transportiert wird. Dort wird er auch angesaugt. Vorstellen muss man sich das ähnlichen einem großen Staubsauger: Motoren in der Sammelstation erzeugen leichten Unterdruck und damit einen Luftstrom in den Röhren. Dann werden die Schleusen der Abfallbehälter geöffnet. Die handlichen Beutel fallen in den Luftstrom, „sie schwimmen quasi in der Luft“, sagt Mattila. So werden sie mit rund 70 km/h zum Abfalllager transportiert.

          Mülltrennung in Helsinkis Hafenviertel Kalasatama: Der Abfall wird dann einfach abgesaugt.

          Wichtig ist die Mülltrennung. Vor den bereits fertigen Apartmenthäusern stehen grüne, braune und graue Tonnen, in die Bio-, Gemischt- und Papierabfall kommen. Bei der Mülltrennung sei nur gesunder Menschenverstand nötig, heißt es in einer Broschüre von IMU. Herr Mattila sagt, so einfach sei es dann doch nicht. Zwischen sechs und neun Monate dauere es, bis die Anwohner das System komplett begriffen und in ihren Alltag integriert hätten. Denn neben dem Mülltrennen sollten sie auch beachten, ihre Abfälle in handlichen Beuteln zu verstauen. „Nicht mehr als 20 Liter“, sagt Mattila. Sonst werde der Müll zu schwer, um ihn abzusaugen. Das Absaugen beginnt mit dem Biomüll. Wenn dieser aus allen Behältern des Straßenzugs abtransportiert ist, öffnen sich die Klappen unter den Behältern für gemischte Haushaltsabfälle. Die sollen eventuelle Rückstände in den Röhren gleich mitnehmen. Darauf folgen dann Papier und Pappe. Auf diese Art bereits getrennt, fallen die Abfälle in der Sammelstation in geschlossene Container. Ist einer von denen voll, kommt ein Lastwagen und transportiert ihn ab.

          Weitere Themen

          Vom Ende her

          Schlusslicht : Vom Ende her

          Die Umwelthilfe verkündet: Der Diesel ist jetzt top! Glauben Sie nicht? Ist technisch wahr, aber das sagt natürlich keiner. Unsere Zukunft ist Mallorca und der E-Roller.

          Topmeldungen

          Die Spitzen der großen Koalition bei ihrem Treffen im Kanzleramt

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Die Spitzen der großen Koalition haben bei der Reform der Grundsteuer einen Kompromiss erzielt. Das Gesetz soll nach monatelangem Streit noch vor der Sommerpause im Bundestag beraten werden.

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.