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Maserati MC20 : Mit Genen aus der Formel Eins

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Bild: Hersteller

Der Maserati MC20 ist da. Mit mehr als 600 PS und V6-Triebwerk, einer Maserati-Eigenentwicklung. Nach langer Pause ist das endlich wieder ein echter Sportwagen aus Modena.

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          Vor allem für drei Dinge ist die Emilia-Romagna berühmt: pikanten Parmesankäse, würzigen Schinken und schnelle Autos. Nur wenige Kilometer voneinander entfernt entwickeln und bauen Maserati, Lamborghini und Ferrari ihre Autos. Maserati kommt ursprünglich aus dem Motorsport, der musste in der jüngeren Vergangenheit hinter der Fertigung von Limousinen und SUV zurückstehen, jetzt aber geht wieder ein Supersportler mit Straßenzulassung und Genen aus der Formel 1 an den Start. Der MC20 streckt sich flach über 4,67 Meter in die Länge und folgt dem Mittelmotorkonzept. Als Preis werden 210 000 Euro aufgerufen.

          Der knapp 1,5 Tonnen schwere MC20 vertraut auf ein Monocoque-Chassis aus Karbon, das in Zusammenarbeit mit dem Aerodynamik-Spezialisten Dallara entwickelt wurde. Eine ausgefeilte Luftführung sorgt nicht nur für Kühlung und Beatmung des unter einer gläsernen Haube arbeitenden 90-Grad-V6-Motors, sondern erzeugt auch bei höherem Tempo einen ordentlichen Anpressdruck auf die Straße. Mit etwa 100 Kilogramm drückt der Fahrtwind die Karosserie bei Tempo 200 km/h auf den Asphalt.

          Den Innenraum prägen hochwertige Materialien, mit Stilbewusstsein und Sinn für Proportionen zusammengestellt. Karbon, Aluminium und Leder harmonieren im Einklang. Die Bedienung ist auf das Wesentliche reduziert, das Doppelkupplungsgetriebe mit acht Gängen wird über drei Tasten gesteuert, davor sitzt der Drehschalter für die Wahl der fünf Fahrprogramme auf dem Mitteltunnel. Durch nach oben schwingende Scherentüren gelangt man hinein, die Türschweller sind nicht zu breit, sodass auch ältere Semester den Ein- und Ausstieg in den nur 1,22 Meter hohen Sportwagen mit Bravour vor Publikum bestehen. Die Taste für das elektrische Entriegeln der Tür kennen wir, die findet sich auch im deutlich gemächlicher fahrenden Fiat 500e. Alle sekundären Funktionen werden über den Touchscreen in der Mitte der Schalttafel gesteuert, das Infotainmentsystem erschließt sich einfach und bietet überdies mit der Sonus-Faber-Anlage ein beeindruckendes Klangvolumen.

          Der knapp 1,5 Tonnen schwere MC20 vertraut auf ein Monocoque-Chassis aus Karbon, das in Zusammenarbeit mit dem Aerodynamik-Spezialisten Dallara entwickelt wurde.
          Der knapp 1,5 Tonnen schwere MC20 vertraut auf ein Monocoque-Chassis aus Karbon, das in Zusammenarbeit mit dem Aerodynamik-Spezialisten Dallara entwickelt wurde. : Bild: Kirchberger

          Aber wer will Beethoven schon den Vorzug gegenüber dem Klang des V6-Triebwerks geben? Je nach Fahrmodus schnurrt der MC20 wie eine Katze vorm Kamin oder faucht, zischt und röhrt, als wäre ein ganzes Rudel Höllenhunde losgelassen. Genau 630 PS (463 kW) und ein maximales Drehmoment von 730 Newtonmeter stellt die Biturbo-Maschine bereit, das reicht für einen Sprint in weniger als 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und für eine Spitze von 326 km/h. 11,5 Liter Super plus konsumiert der MC20 im Norm­zyklus, dies bedeutet politisch völlig unkorrekte 261 g/km CO2. Wer diesem Druck nicht standhält, muss warten. Vermutlich schon im nächsten Jahr erscheint der MC20 nicht nur als Roadster, sondern auch mit elektrischem Antrieb.

          Erste Probefahrten konnten durchaus beeindrucken. Fast magisch findet der MC20 seinen Weg durch die Kurven, die Lenkung ist hochpräzise, die Querbeschleunigung immens. Überraschungen, wie einen auf der eigenen Fahrspur entgegenkommenden Express-Lieferwagen, quittiert er mit stoischer Ruhe und hoher Fahrstabilität. Im GT-Modus fährt er mit komfortabler Federung und gibt sich kreuzbrav, Leistung ist stets im Überfluss präsent, oberhalb von 3000/min und in den Fahrmodi Sport oder Corse entwickelt sich der Maserati zum Feuerball.

          Schärfster Dreizack: Der neue MC20 bietet mehr als 600 PS.
          Schärfster Dreizack: Der neue MC20 bietet mehr als 600 PS. : Bild: Kirchberger

          Der V6, die erste Maserati-Eigenentwicklung seit 20 Jahren, bedient sich der Vorkammertechnik und zweier Zündkerzen je Brennraum aus der Formel 1. Gebaut wird der Maserati-Sportler in Modena, bis zu sechs Exemplare könnten dort künftig an jedem Werktag entstehen.

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