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Smarte Uhren im Test : Für die Sportskanonen

Smartwatches und Fitness-Tracker messen jede Bewegung ihres Trägers. Bild: ddp Images

Wer sich für eine Sportuhr entscheidet, muss Prioritäten setzen: Eine Auswahl an smarten Uhren und Fitness-Trackern, welche die eigenen Sportaktivitäten begleiten und Daten liefern.

          Ein kleines 15-Kilometer-Läufchen im Wettstreit mit vielen anderen Sportskanonen wird schon nach weniger als der halben Strecke zum Fiasko: Der an sich gut trainierte Läufer hat sich nicht nur von der heiteren Stimmung mitreißen lassen, sondern auch von den schnelleren Rivalen, die gleich zu Beginn ein mörderisches Tempo an den Tag legen. Da will man ja nicht hinten anstehen. Doch nun ist es passiert: Nach wenigen Kilometern ist die Luft raus, der Protagonist hat viel zu viel von seinem Pulver verschossen und muss es deutlich langsamer angehen. Damit ist für ihn das Rennen im Wortsinne gelaufen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Eine Smartwatch oder ein Fitness-Tracker hätten dem forschen Läufer durchaus helfen können. Wer nicht auf die feinen Signale seines Körpers achten kann oder will, sieht es auf der Sportuhr unmittelbar: Die Herzfrequenz ist viel zu hoch, das kann auf Dauer nicht gutgehen. Der Puls zeigt, ob man nicht nur im Wettstreit, sondern auch bei täglichen Ertüchtigungen im richtigen Bereich liegt. Geräte für das Handgelenk messen ihn optisch mit Leuchtdioden. Mit jedem Herzschlag ändert sich der Blutfluss, und mit der Absorption des von Leuchtdioden ausgestrahlten grünen Lichts gelingt die Messung.

          Die optische Herzfrequenzmessung galt früher als ungenau. Sie ist nach wie vor der Messung mit einem EKG oder dem Brustgurt unterlegen, aber die Fortschritte sind beachtlich. Deshalb verzichten viele Sportler auf den unbeliebten Brustgurt. Etliche Probleme der Messung am Handgelenk bleiben: Die Unterscheidung von Puls und anderen Hintergrundsignalen wie Muskel- oder Sehnenbewegungen ist ebenso eine Herausforderung wie die Lichtabsorption in Abhängigkeit von der Hautfarbe.

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          Beim Laufen ist das Unterscheiden von Herzfrequenz- und Schrittfrequenzsignalen ein Problem, und ungleichförmige Bewegungen beim Tennis oder Boxen sind es ebenfalls. Die Uhr muss perfekt anliegen, und das ist bei schweißtreibenden Aktivitäten leichter gesagt als getan. Sodann sollte sie eher etwas höher am Arm getragen werden. Jede Menge Fehlerquellen können also die Freude an der Fitness-Vermessung trüben. Die Hardware ist noch nicht perfekt. Die gute Nachricht in der Rückschau auf die vergangenen Jahre ist die, dass sie von Jahr zu Jahr besser wird.

          Wir haben die brandneue Apple Watch Series 4 und die ebenfalls neue Garmin 5X Plus vergleichend bei einigen Läufen getragen, die eine am linken, die andere am rechten Arm, die Garmin mehrmals mit zusätzlichem Brustgurt als weiterer Kontrollinstanz.

          Was die Genauigkeit der Messungen betrifft, liegen unter guten Bedingungen beide Uhren gleichauf. Sie zeigen auf den Schlag genau das gleiche Ergebnis, es ist verblüffend. Die Apple Watch, die bislang mit ihrer nicht immer präzisen Messung von Sportlern verschmäht wurde, hat nun mit der Series 4 eine komplett neue Sensorik erhalten. Das gesamte Messsystem am Uhrenboden wurde überarbeitet.

          Wenn es jetzt mit der Series 4 gut läuft, zeigt die Herzfrequenzkurve der Apple Watch ein wunderschön durchlaufendes Band einzelner Messwerte. Aber leider nicht immer, in der Gesamtschau sind die großen Garmin-Uhren besser.

          Der Akku soll bis zu 40 Stunden durchhalten

          Jenseits der beiden Marktführer lohnt ein Blick auf andere Anbieter mit nicht weniger spannenden Produkten. Polar hat Mitte September seine neue Vantage-Sportuhr in zwei Varianten vorgestellt. Die Vantage V bietet als erste Pulsuhr der Welt eine Leistungsmessung beim Laufen, Running Power genannt. Die Metrik stammt aus dem Radsport und zieht nun in die Laufwelt ein. Während die Herzfrequenz nur verzögert auf veränderte Anstrengung reagiert, ändert sich die Leistung unmittelbar mit der körperlichen Belastung. Deshalb nutzen Profi-Radfahrer eigene Pedalsensoren zur Leistungsmessung. Wer derzeit die Running Power mit einer Garmin-Uhr messen will, benötigt dafür zwingend einen Brustgurt oder Laufsensor.

          Dann lässt sich mit Daten wie Tempo, vertikaler Bewegung, Steigung und Windbedingungen ermitteln, wie viel Leistung man beim Laufen auf den Boden bringt. Das alles will Polar nun mit der Vantage V ohne zusätzliche Hardware am Handgelenk erfassen. Der Pulssensor am Uhrenboden arbeitet mit neun optischen Kanälen, mehreren LED-Farben und unterschiedlichen Wellenlängen. Geradezu unglaublich hört sich an, dass der Akku bis zu 40 Stunden durchhalten soll, im Training wohlgemerkt. Die Apple Watch Series 4 bringt es beim Laufen auf höchstens sechs Stunden. Selbst bei der kleineren Vantage M soll die Laufzeit noch 30 Stunden betragen. Die Uhr kommt Ende Oktober in den Handel.

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