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Skisprung-Weltcup : Alle schauen auf Kamil Stoch

Auf die richtige Haltung kommt es an: Olympiasieger Andreas Wellinger beim Bodyflying-Training. Bild: dpa

Die Skispringer starten in die neue Saison – und der polnische Sieger der Vierschanzentournee gilt als der große Favorit. Aber auch die Deutschen rechnen sich einiges aus.

          Kuusamo statt Wisla, Finnland statt Polen. Auf diese eine Woche kommt es jetzt auch nicht mehr an. Schließlich ist es Severin Freund gewohnt, geduldig zu sein und abzuwarten. Seit fast zwei Jahren schon hat der mittlerweile 30-Jährige nicht mehr unter Wettkampfbedingungen das getan, was er professionell am besten kann: Skispringen. Der Athlet vom WSV DJK Rastbüchl verzichtet auf das erste Springen in Polen an diesem Wochenende, sieht seinen verspäteten Saisonstart nach jetzt schon zwei überstandenen Kreuzbandrissen aber positiv. „So habe ich noch eine Woche mehr, in der ich trainieren kann.“ Und in der Bundestrainer Werner Schuster schauen kann, wie es mit dem Mannschafts-Olympiasieger von 2014 und Doppel-Weltmeister von 2015 weiter vorangeht. Der Rukatunturi-Bakken im Nordosten Finnlands, wo Freund seine Weltcups Nummer 195 und 196 bestreiten wird, liegt dem Niederbayer ohnehin. „Kuusamo ist emotional ein guter Einstiegsort. Da hat es immer ganz gut funktioniert.“ 2012 und 2016 hat Freund dort gewonnen.

          Los geht es 2018 für die große Crew der Weitenjäger beim Weltcup-Auftakt aber an diesem Wochenende in Wisla, im Heimatland von Kamil Stoch. Der polnische Triumphator der vergangenen Vierschanzentournee wird die Zuschauer im Länderdreieck zur Tschechischen Republik und zur Slowakei an die Adam-Malysz-Schanze locken. Nach seinen vier Siegen von Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen ist der 31 Jahre alte Stoch zwar der Mann, den es auch jetzt zu schlagen gilt. Aber häufig fliegen sie eben immer nur einen Winter lang den anderen voraus. Keiner der letzten zehn Gesamtweltcup-Gewinner hat seinen Titel verteidigt.

          Die deutschen Skispringer fühlen sich bereit für die Ablösung. „Wir sind gut durch den Sommer gekommen“, sagt Bundestrainer Schuster. Der 49 Jahre alte Österreicher setzt darauf, „dass es den Organisatoren trotz der warmen Witterung der vergangenen Tage auch bei dieser zweiten Auflage des Skisprung-Openings gelingt, die Anlage optimal zu präparieren“. Damit nicht nur die Konkurrenz aus seinem Heimatland sowie aus Norwegen und aus Polen weit springt und gute Haltungsnoten erhält. Auch von seinen sieben deutschen Athleten erwartet Schuster schöne Sprünge in eine spannende Saison mit den Höhepunkten Vierschanzentournee und Nordische Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld.

          Da passt es, dass neben der Olympiamannschaft mit Goldspringer Andreas Wellinger, Richard Freitag, Karl Geiger, Stephan Leyhe und Markus Eisenbichler auch Pius Paschke und David Siegel zur Vorbereitung in Innsbruck, Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf gewesen sind. „Den Abschlusslehrgang in Oberstdorf haben wir vor allem genutzt, um am optimalen Setup zu feilen.“ Schuster hofft, gemeinsam mit seinem Team die individuelle Materialabstimmung für Wisla und die anderen Weltcup-Stationen gefunden zu haben. Da Routinier Freund erst in Kuusamo um Weltcup-Punkte springen wird, kommen neben Freitag auch dem Mannschaftskollegen Wellinger Führungsaufgaben zu. Der Start allerdings misslang. In der Qualifikation am Freitag landete er nur auf Platz 46, auch die Trainingssprünge waren nicht gut. Daher nominierte ihn Bundestrainer sSchuster nicht für den Mannschaftswettbewerb an diesem Samstag (16.00 Uhr in der ARD und bei Eurosport). Geiger, Eisenbichler, Leyhe und Freitag sind das deutsche Quartett.

          Mit gerade 23 Jahren mag Wellinger vielleicht noch zu den jungen Wilden gehören. Aber das Alter spielt keine Rolle, sondern nur der Erfolg. Wer wie der jetzt in München lebende Wellinger bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang von der Normalschanze im Einzel Gold und zudem zwei Silbermedaillen von der Großschanze sowie mit der Mannschaft gewonnen hat, gehört zu den Stars der Szene, auch wenn es in Wisla bisher nicht so gut lief. Erste Kostproben seiner neu hinzugewonnenen Beliebtheit hat der Ruhpoldinger abseits der Schanze im Sommer erlebt: Auf Einladung des FC Bayern durfte der Skispringer mit den Münchner Fußballprofis ins Trainingslager in die Vereinigten Staaten reisen. „Eine tolle Sache“, sagt Wellinger, der nach seiner Rückkehr vor der Skisprung-Nationalmannschaft einen Vortrag gehalten hat. „45 Minuten lang habe ich den Jungs einen Text aufgepresst“, sagt er.

          Weil Skispringen „auch eine Charakterfrage ist“, wie Schuster sagt, will er seinen jungen Olympiasieger „bestmöglich begleiten. Natürlich macht es was mit einem, der bei Olympia gewinnt. Andreas ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen“ – Wellinger selbst weiß noch genau, wie das in den Tagen und Wochen nach dem Coup von Pyeongchang gewesen ist. „Der Kopf war voll. Ich konnte nicht alles abrufen.“ Seine Therapie: Raus aus dem Schnee, rein in das Wasser. „Sightseeing und Surfen in Mexiko“, das war es, was Wellinger Zerstreuung und Abstand gebracht hat. Und nun soll wieder die Zeit für große Sprünge kommen. Aber noch nicht am Samstag in Wisla.

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