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Vierschanzentournee : Freunds Flug ins Ungewisse

  • -Aktualisiert am

Wohin die Reise für Severin Freund bei der Vierschanzentournee führt, liegt im Dunkeln. Bild: AFP

Nach einer schweren Zeit mit einer Verletzung sieht Severin Freund sich beim Auftakt der Vierschanzentournee in der Außenseiterrolle. Im Fokus steht dafür in Oberstdorf ein anderer Springer.

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          Und dann die Hände zum Himmel! Sobald es dunkel wird, verwandeln sich manche Ecken in den engen Altstadtgassen zur Open-Air-Diskothek. Viele Oberstdorfer Kneipiers wissen, wie die zahlreich angereisten Sportsfreunde in diesen Tagen neben den anderen Feriengästen auch unterhalten werden möchten: mit Stimmungsmusik aus großen Boxen und Getränken aus dem Zapfhahn. Die ausgelassene Atmosphäre auf dem Platz vor dem Rathaus ist kurz nach Heiligabend jedenfalls wenig besinnlich, als die Protagonisten, die bis zum Silvestervorabend in dem Allgäuer Kurort besonders im Blickpunkt stehen, die Bühne betreten und sich der Reihe nach im Scheinwerferlicht den Begrüßungsapplaus abholen.

          An Unterstützung im Wettstreit mit den besonders stark eingeschätzten Skisprungrivalen aus Österreich, Slowenien, Norwegen und Polen wird es dem deutschen Team zum Auftakt der Vierschanzen-Tournee garantiert nicht mangeln. In Oberstdorf, wo sie seit dem Sommer einen großen Teil ihrer Vorbereitung absolviert haben, gehen Severin Freund und seine elf von Bundestrainer Werner Schuster nominierten Kollegen mit einem Heimvorteil an den Start, wenn es an diesem Freitag (16.45 Uhr / Live im ZDF, bei Eurosport1 und im Vierschanzentournee-Ticker bei FAZ.NET) bei der 65. Auflage der Traditionsveranstaltung ernst wird.

          Freund machte vorab nicht den Eindruck, dass er sich vom beschwingten Hochgefühl der Fans zu einer aus seiner Wahrnehmung übertriebenen und von der Realität losgelösten Erwartungshaltung verleiten lassen könnte. Ihm schmeichelte auch zum Start des neuntägigen Stresstests quer durch die Alpen der öffentliche Zuspruch, den er sich als arrivierte Nummer eins im Aufgebot des Deutschen Skiverbands (DSV) durch seine zurückliegenden Erfolge verdiente.

          Doch die Gegenwart stellt sich nicht ganz so leicht dar, wie es nötig wäre, um unbeschwert am Schanzentisch abheben und so mit Fug und Recht behaupten zu können, dass er der Favoritenrolle, in der ihn seine Anhänger am liebsten sehen, auch gewachsen ist. In der Qualifikation am Donnerstag, in der Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe als beste Deutsche auf die Plätze sechs und sieben flogen, belegte er nur Rang 19.

          Domen Prevc springt besser als Peter Prevc

          Freund, der ehedem Internationales Management studierte, ist ein analytischer Kopf, der weiß, wie viel Fleiß, Können und glückliche Fügungen notwendig waren, um sich den Stellenwert zu erarbeiten, den es nun zuallererst zu verteidigen gilt, ehe er sich damit beschäftigen möchte, wie sich weiterer Ruhm verdienen lässt. Der heute 28 Jahre alte Vorspringer im DSV-Dress war ein Spätstarter, dessen Karriere erst Fahrt aufnahm, als ihm viele Weggefährten schon bescheinigen wollten, für die Glanztaten nicht in Frage zu kommen.

          Seit 2008, als das Teamwork mit Schuster begann, ging seine Entwicklung kontinuierlich aufwärts, sicherte er sich Titel als Mannschafts-Olympiasieger und im Skifliegen (beide 2014) sowie bei der Nordischen Ski-WM im Einzel von der Großschanze (2015); zuletzt wurde Freund im Frühjahr Zweiter im Gesamtweltcup. In der Endabrechnung musste er lediglich, wie bei der vergangenen Tournee, dem Slowenen Peter Prevc den Vortritt lassen. Der findet derzeit noch nicht zu alter Stärke und muss beobachten, wie sein kleiner Bruder Domen als Seriensieger für Schlagzeilen sorgt.

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